Parallelwelten

Es war ein ganz normaler Tag an meinem Arbeitsplatz, ich war niemand besonderes auch wenn mich viele um meinen Job beneideten. Ich arbeitete nämlich im Cern, dem größten Teilchenbeschleuniger der Welt.

Aber ich war niemand besonderes hier. Nur ein kleiner Techniker, dafür immer nah am Geschehen. Die gebildeten Leute waren weit weg von der Gefahrenzone, wird waren direkt im Tunnel direkt am Beschleuniger.

Sollte jemals was schief gehen, würde es uns erwischen und die klugen Köpfe hätten noch Zeit um sich in Sicherheit zu bringen.

Ich hatte mir aber nie wirklich Gedanken gemacht. Ich hatte keine Angst außer am ersten Tag. Als der Beschleuniger ans Netz ging, da hatten wir Angst dass uns alles um die Ohren fliegt. Aber alles lief wie am Schnürchen und seither machen wir unsere täglichen Kontrollgänge und reparierten hin und wieder kleine Schäden an der Hülle oder überprüften Kontrolltafeln Vorort.

Als ich also die Arbeit antrat hatte ich wie immer nichts besonderes erwartet. Bis plötzlich der Alarm anging. Oft war der Alarm auch was gutes. Ein Zeichen für eine Abweichung konnte heißen, dass uns wieder ein Experiment geglückt war.

Aktuell versuchten wir einen Urknall nachzubilden, natürlich ohne ein ganzes Universum zu erschaffen sondern nur ganz klein. Wir hatten Eindämmungsfelder um das Experiment direkt zu unterbrechen wenn wir die Daten hatten.

Doch diesmal ging etwas schief. Der Alarm ging los und mein Blick viel auf die Kontrolltafel. Das Eindämmungsfeld hatte versagt, wenn nun 2 Teilchen kollidieren würden, könnten wir die Expansion nicht verhindern. Wir mussten schnell handeln.

Von oben kamen bereits die Durchsagen, sie hatten die Kontrolle verloren, es hing also an uns Technikern einen Supergau oder besser gesagt das Ende der Welt zu verhindern. Wir machten uns sofort daran den Fehler zu finden, das Eindämmungsfeld musste wieder hergestellt werden, während wir fieberhaft die Kabel überprüfen und die Einstellungen und Energiezufuhr checkten kam eine Durchsage.

“An das Personal, wir haben eine Kollision. Ich wiederhole, wir haben eine Kollision wir brauchen das Eindämmungsfeld jetzt. “

Oh mein Gott das wars jetzt. Wir wussten wie schnell die Expansion geht. Wir mussten uns beeilen oder die Anlage wäre dahin und damit jede Chance auf Eindämmung.

Ich steckte gerade die letzten Kabel wieder ein, als ich bereits eine Art Welle auf mich zu kommen sah. Ich schaltete das Eindämmungsfeld wieder ein und die Welle machte vor mir halt. Nur wenige Zentimeter trennten mich von diesem neuen Universum? Wenn man es so nennen konnte. Ich atmete auf und kontrollierte alle Werte. Das Feld war stabil. Die Expansion war gestoppt.

Ich entfernte mich vorsichtig von dem Feld, auch wenn ich meinen Augen nicht trauen konnte. Ich sah von weitem hinein und es war als könnte ich mich in einem Spiegel sehen, aber ich sah anders aus? Meine Haare waren deutlich länger und hatten ihre natürliche Farbe, ich war aber kurzhaarig mit violettem Haar. Was zur Hölle war das, schien auch der Blick meines seltsamen Spiegelbildes zu sagen.

Ich lief nach oben und in die Waschräume. Ich blickte in den Spiegel und es war alles normal. Bis auf die Tatsache, dass ich kreidebleich und verschwitzt war. Kurze, violette Haare. Was hatte ich da gesehen?

Ich ging nach oben zum Meetingraum. Dort waren wir Techniker sonst nie, aber nach einem Unfall war die Order sich zu sammeln sobald alles stabilisiert war und das war nun der Fall. Ich merkte schnell, dass viele meiner Kollegen fehlten. Offenbar hatten sie nicht so viel Glück. Es konnte noch nicht mit Sicherheit gesagt werden ob sie vaporisiert oder verschluckt wurden oder ob wir ihre Leichen noch finden würden. Aber erst mal war klar, dass mindestens 5 Techniker verschwunden waren.

Im Meetingraum kam Unruhe auf, die Menschen bekamen Angst als plötzlich das Militär auftauchte. Alle Leute inkl. mir wurden zu dem Vorfall befragt. Sie wollten unter anderem wissen ob irgendjemand Berührung mit dem Feld hatte, der nicht verschwunden war. Ich gab offen zu dass ich nur Zentimeter entfernt war. Also nahmen sie mich direkt mit um mich medizinisch untersuchen zu lassen. Zu meiner Sicherheit wie sie sagten.

Nachdem ich gescannt und gepickst wurde kam ich zu einem Berater, wie sie sagten sollte er mich psychologisch betreuen, ob ich auch kein Trauma hätte. Aber ich merkte schnell das mehr dahinter steckte.

Ich meine wir konnten alle froh sein, dass nicht mehr passiert war und ich denke die wenigsten von uns waren traumatisiert. Die Berater sollten sich lieber um die Familien der Verschwundenen kümmern.

Doch sie waren offensichtlich neugierig und wollten wissen was ich gesehen hatte. Und da ich auch immer noch verwirrt war und wissen wollte, was das war erzählte ich ihnen von meinem seltsam anderen Spiegelbild.

Ich war wohl auch nicht die einzige. Ein anderer Techniker im Tunnel war auf der anderen Seite der Welle und sah wohl ähnliches. Ich musste eine Verschwiegenheitserklärung unterschreiben, aber man traute uns wohl nicht, denn keiner durfte an diesem Tag nach Hause. Wir wurden alle in einem Hotel untergebracht, wo außer uns keine anderen Gäste waren und draußen wurden Militärs platziert.

Nun was sollte ich noch machen, dachte ich mir und ging einfach nur duschen und ins Bett. Aber wer war sie? Diese andere Christine, die mir aus dem Feld entgegen schaute. Wie konnte sie gleichzeitig ich und doch nicht ich sein?

Vielleicht würde ich morgen Antworten bekommen.

Ich drehte mir eine Serie auf Netflix auf und versuchte zur Ruhe zu kommen. Da man mir mein Handy abgenommen hatte, konnte ich nur hoffen, dass mein Mann informiert wurde, dass ich hier war.


Der nächste Tag ist angebrochen. Ich wurde durch einen Weckruf der Rezeption aus meinen Träumen gerissen.

Ich duschte und zog erst mal den Hotelbademantel an. Ich wusste, dass meine Kollegen in den Zimmern neben mir untergebracht waren und klopfte daher einfach mal an die Tür neben an. Mein Kollege Matthias öffnete mir die Tür, ebenfalls im Morgenmantel.

“Guten Morgen, Matthias. Hast du schon irgendwas neues gehört?”

“Nein bisher nicht, aber ich habe die Rezeption angerufen, wegen unserer Klamotten, mir wurde gesagt wir bekommen gleich Arbeitskleidung damit wir wieder los können. Ich schätze mal sie brauchen uns zum Aufräumen. Da wir ja zur Verschwiegenheit verpflichtet wurden, werden sie sicher keinen externen Putztrupp in die Pipe schicken.”

“Da hast du vermutlich recht. Na gut ich warte noch auf die frische Kleidung dann geh ich frühstücken. Sehen wir uns unten?”

“Ja klar, bis nachher.”

So ging ich zurück und zappte noch kurz durch die Kanäle. Der Unfall wurde immer noch geheim gehalten, es gab nichts darüber in den Nachrichten.

Nachdem mir ein Uniformierter der Garde meine Kleidung brachte, machte ich mich auf zum Frühstück. Zumindest war alles von der Firma gedeckt. Und entdeckte ich dann auch meinen Teamleiter Florian und fragte bei ihm nach.

“Flo, weißt du was mit unseren Handys ist bzw. ob ich meinen Mann kontaktieren kann?”

“Hey Christine, ja sorry wegen der Sicherheitsmaßnahmen. Dein Mann und die anderen Angehörigen der Mitarbeiter wurden so weit es die Verschwiegenheit erlaubte informiert, dass ihr derzeit unabkömmlich seid. Aber ich bin für alle erreichbar, falls sie euch erreichen müssen.”

Das beruhigte mich ein bisschen.

Nachdem Frühstück wartete ein Mietbus und brachte uns zurück zum Cern. Dort angekommen ging es erst mal wieder in die große Halle wo bereits alle gespannt warteten. “Der Professor” betrat die provisorische Tribüne am Ende der Halle. “Der Professor, war einfach Prof. Maximilian Porfido. Er war theoretischer Physiker und Experimentalphysiker. Er war immer so in seinem Element, dass er obwohl es viele Professoren hier gab, den Spitznamen “der Professor” bekam.

Wir waren alle gespannt und es wurde leise im Saal.

“Sehr verehrte Damen und Herren, ich bitte um ihre Aufmerksamkeit. Gestern kam es zu einem Vorfall, der so nicht geplant war. Ich spreche ihnen als erstes mein Beileid für den Verlust unserer Kollegen aus. Auch möchte mich bei allen Technikern bedanken, die ihr Leben riskiert haben um uns allen den Arsch zu retten. Ohne sie wären wir alle nicht mehr hier. “

Ein Raunen ging durch die Menge, die Techniker waren normalerweise das Fußvolk unter den ganzen Intelligenzbestien,  es war schön, wenn auch die Umstände es nicht waren, dass man unsere Leistung zu schätzen wusste.

“Nun zu den nun ja mehr und minder positiven Nachrichten. Einige von ihnen ahnen vielleicht bereits was wir da erschaffen haben, wenn auch unbeabsichtigt. Der Plan war ein Urknall und die Erschaffung eines Miniuniversums. Die Voraussetzung dieses Experiments war, dass es nur ein Universum gibt, also unseres. Doch nun haben wir den Beweis, dass es nicht so ist. Während wir also unseren Beschleuniger starteten, wurde auch ein zweiter Beschleuniger gestartet und dieser stand an der selben Stelle im Raum. Getrennt durch einen dünnen dimensionalen Schleier und auf der subatomaren Ebene wurde eben jener Schleier gestern durchbrochen. Teilchen unserer Beschleunigers kollidierten mit  Teilchen aus einer parallelen Dimension genau neben unserer und so kam es zum Knall und es entstand nicht etwas ein neues Universum sondern ein Riss in der Raum-Zeit die uns ein Portal in diese Parallelwelt öffnete.  “

Bei diesen Worten blieb wirklich jedem der Mund offen stehen. Selbst dem intelligentesten Professor.

“Unsere Aufgabe ist es nun als erstes sicherzustellen, dass dieses Portal stabil bleibt und sich nicht weiter ausdehnt. Wir wissen bereits, dass es auch auf der anderen Seite einige Opfer der Explosion gab. Deshalb werden wir einige Techniker durch das Portal schicken. Wir müssen uns nun gegenseitig bei unseren Bemühungen unterstützen. Gehen sie nun nach unten. Sie werden von ihrem Teamleiter eingeteilt. Er weiß wer in das Portal gehen darf und wer nicht.”

Das war unglaublich, wie gerne hätte ich jetzt mit meinem Mann gesprochen. Es wurde richtig laut in der Halle, also machte ich mich auf den Weg nach unten. Wir reihten uns ein und warteten welche Aufgaben uns zugeteilt wurden.

“Christine”, rief mich Flo bereits zu sich. “Du bist im Reparaturteam Alpha, dass heißt du gehst durch das Portal.”

“Wow okay, darf ich fragen warum?” “Du darfst aber ich kenne die Antwort nicht. Das hängt wohl alles von den Untersuchungen gestern ab. Ich würde gerne mit dir tauschen. Erzähl mir nachher alles.” “Okay, naja dann, muss ich irgendwas beachten oder einfach durchgehen?” “Hier nimm dieses Gerät, es ist ein Phasendiskriminator, damit kannst du durch das Kraftfeld gehen, wir können es ja erst ausschalten wenn das Portal stabil ist. Der Durchgang ist da hinten wo die beiden Gardisten stehen.” “Na dann, wünsch mir Glück, Flo.” “Viel Glück Christine.”

Na dann Augen zu und durch. Ich ging auf das Portal zu. Die Wachen guckten kurz auf mein Namensschild und nickten, ich könnte durch gehen. Ich hielt die Luft an. War es sicher? Würde ich was spüren? Es hatte keinen Zweck und meine Neugierde überwog. Ich ging also hindurch und es war tatsächlich… nichts.. ich hätte gedacht man spürt irgendwas. Aber ich war drüben, abgesehen von dem Chaos der Explosion sah es hier recht ähnlich aus. Das CERN Symbol hatte hier eine rote Farbe, keine blaue. Aber sonst war es identisch.

“Hallo Christine.” begrüßte mich eine sehr bekannte Stimme, es war nämlich meine. Mein Spiegelbild mit den langen natürlichen Haaren kam auf mich zu. Ich war ein bisschen sprachlos.

“Ähm hi, Christine?” “Nicht ganz, tja da sind schon die ersten Unterschiede zwischen unseren Welten. Meine Eltern haben mich nämlich nicht Christine genannt sondern meine große Schwester. Ich bin Lilith.”  “Große Schwester?” ich machte große Augen, sie war mein Ebenbild, aber sie hatte eine Schwester und ich…
“Hast du keine Schwester?” meinte Lilith.
“Nein ich habe einen Bruder, sein Name ist Bobby.”
“Wow das ist ja soooo cool!” sie war wirklich begeistert und ich noch etwas verwirrt.

Aber es hatte keinen Sinn sich den Kopf zu zerbrechen, welcher Schmetterling einen Bruder zur Schwester macht, also riss ich mich zusammen und wir machten uns an die Arbeit.


Nachdem wir den ganzen Tag gearbeitet haben, nahm Lilith mich noch mit in die Kantine und wir aßen gemeinsam. Sie war wie ich verheiratet aber kinderlos. Ihre Eltern hatten sich scheiden lassen, als sie noch ganz klein war, meine waren immer noch zusammen, obwohl die Scheidung vielleicht die bessere Wahl gewesen wäre, das wollte ich aber nicht erwähnen. Sie hatte noch 2 jüngere Halbgeschwister durch ihren Vater und ihre Stiefmutter. Und sie schien ein sehr glückliches Leben zu führen.

Doch dann wurde ihr Blick finster. “Was ist denn?” fragte ich besorgt.
“Ach nichts, ich vermisse meinen Mann, ich durfte noch nicht mit ihm sprechen seit dem Unfall. Er ist Reporter und man will halt erst mal nichts nach außen dringen lassen.” “Nachvollziehbar, wir dürfen auch nicht kommunizieren zurzeit. Ich hoffe das ändert sich bald. Ich würde dir ja Fotos von uns zeigen, aber mein Handy ist irgendwo weggesperrt, ich hoffe ich bekomme es irgendwann wieder.”

“Hmm ja wäre interessant zu sehen ob wir die selben Männer haben. Die Namen helfen uns ja nicht, wie wir 2 schon festgestellt haben.” lachte sie und ihre Miene hellte sich auf.

Nach dem Essen ging ich zurück zum Portal, meldete mich ab und schritt zurück wo mich Flo erwartete. Er sah fertig aus, aber er strahlte mich an.

“Komm ich fahr dich ins Hotel, dann kannst du mir alles erzählen, flüsterte er mir zu. ” Also fuhren wir gemeinsam los. Am Weg erzählte ich ihm von den kleinen Unterschieden im Design und den großen zwischen dem Leben von mir und meinem Ebenbild. Flo war fasziniert.

“Hach was würde ich darum geben mein Ebenbild zu treffen. Hast du mich, also ihn dort gesehen?” fragte Flo neugierig.

“Jetzt wo du es sagst, nein du bist mir nicht begegnet. Dort ist ein anderer Teamleiter, sag es nicht weiter, ich will nicht dass es ihm zu Kopf steigt. Aber es ist Matthias.” Kicherte ich.

“Ich bin sicher du bist auf einer höheren Ebene Flo.” zwinkerte ich.

“Hmm ich weiß nicht ob ich das gut finden kann, aber ich werde Matthias nichts verraten. Wir sind da.  “

Wir stiegen am Hotel aus und wurden wieder von Militärs empfangen. Doch es gab eine positive Überraschung. Wir bekamen unsere Handys zurück. Allerdings hatte ich kein Netz. Hier war wohl ein Störsender.

“Und was soll ich so damit anfangen.” sagte ich leicht verärgert, ich wollte mit meinem Mann reden.

“Hier,” sagte der Militärtyp nur kurz angebunden und gab mir eine Karte mit einem QR Code für das WLAN. Auf der Rückseite war ein Hinweis. Jegliche Kommunikation wird überwacht. Bitte geben sie keine Informationen an Außenstehende weiter, da wir diese sonst vorübergehend festnehmen müssen.

Wow, okay aber immerhin hatte ich mein Handy wieder, vielleicht hatte Lilith ihres ja auch schon bekommen.  Ich schätze mal mit ihr kann ich nicht schreiben.

Ich aktivierte also das WLAN Signal und sah schon wie die Nachrichten eintrudelten. Klar hat sich mein Mann Sorgen gemacht. Ich lass mir alle Nachrichten durch, die letzte war, dass er mit Flo gesprochen hat und sich freut mich wieder zu sehen.

Also startete ich direkt einen Video Anruf.

Sein Gesicht erschien strahlend auf dem Bildschirm.

“Hallo Schatz du fehlst mir, wie gehts dir, wann kannst du nach Hause kommen, was ist passiert?” sprudelte er drauf los.

“Okay okay, ganz ruhig, also 1. fehlst du mir auch, 2. geht es mir gut, 3. weiß ich noch nicht und 4. darf ich dir nicht sagen.  Also machen wir es anders rum. Wie geht es dir, kommst du zurecht, brauchst du irgendwas, Flo kann sich darum kümmern.”

“Nein nein, alles gut, ich brauche nur dich aber ich werde mal mit dem Videocall vorlieb nehmen müssen.”

“Ja leider, tut mir so leid, ich hoffe, dass sich bald alles geklärt hat und ich wieder nach Hause kann. Aber bis dahin bleiben wir eben so online. Wollen wir eine Watchparty machen. Ich hab 9-1-1 noch nicht gesehen.”

“Ja klar gerne.”

Also starteten wir gemeinsam die Serie und stellten unsere Handys in Sichtweite während wir die Serie schauten. ” Irgendwann hab ich dann gehört wie er eingeschlafen ist, also legte ich auf und schickte ihm nur noch eine Nachricht.

Ich liebe dich, schlaf gut mein Schatz <3

Dann legte ich mich hin und fing auch an zu träumen. Ich träumte davon eine Schwester zu haben und mit einem Reporter verheiratet zu sein und alles was mir Lilith erzählt hatte. Es war ein schönes Leben. Sie musste echt glücklich sein.

Im letzten Bild sah ich ihren Mann und wachte auf. Es war der Mann in den ich mal verliebt war, ehe ich meinen Mann traf. Könnte es sein, dass er wirklich der Reporter ist? Ich hoffte, das Lilith auch ihr Handy wieder hatte und wir uns Fotos zeigen könnten, ich schaute auf die Uhr und es war erst 3 Uhr morgens. Ich rieb mir kurz den Schlaf aus den Augen und ging auf den Balkon.

“Hey Christine,” hörte ich Matthias vom Balkon nebenan. Er stand da und zog an seiner E-Zigarette. “Kannst du auch nicht schlafen?”

“Bis jetzt schon, ich hatte nur sehr verwirrende Träume, ich hab wohl viel zu verarbeiten. “

“Das glaub ich dir, aber sag hast du vielleicht ein bisschen Liquid, meins ist fast alle und ich komm ja aktuell zu keinem Laden, Flo hat aber versprochen dass er morgen was liefern lässt.”

“Ja klar warte ich komm rüber.”

Also ging ich zu Matthias und nachdem wir seine E-Zigarette aufgefüllt hatten, setzten wir uns auf den Balkon. Matthias hatte tatsächlich einiges zu verarbeiten. Einer unserer Techniker Anton, der bei dem Unfall gestorben ist, stand gestern plötzlich vor ihm, es war sein Spiegelbild aus der anderen Welt. Anton und Matthias waren sehr gute Freunde und dementsprechend war es echt hart für ihn. Wir unterhielten uns über Anton bis es hell wurde. Dann ging ich zurück auf mein Zimmer um zu duschen und mich anzuziehen. Nachdem Frühstück ging es zurück.

Flo hatte mir schon gesagt, dass ich vermutlich die ganze Woche in der Parallelwelt aushelfen werde und ich freute mich schon. Ich wollte unbedingt wissen, wer Liliths Mann war.


Ich freute mich bereits auf meine Arbeit mit Lilith, auch sie strahlte mich an als ich durch das Portal kam. Es war noch früh und so zog es uns erst auf einen Kaffee in die Kantine.

Erstmal hab ich Lilith gesagt, dass wir unsere Handys wiederhaben und ich gestern endlich mit meinem Mann telefonieren konnte. Und auch bei ihnen war es schon ruhiger geworden. Während man auf unserer Seite noch sehr vorsichtig agierte, gab es bei ihnen bereits eine Pressekonferenz und es wurde soweit als möglich der Bevölkerung erklärt was geschehen war. Bestimmt würden sich einige darum reißen eine Chance zu bekommen, wie wir sie gerade hatten. 

“ich hatte letzte Nacht einen interessanten Traum.” sagte ich zu Lilith. “Ich sah dich und deinen “Mann” nur dass es im Traum wohl ein ehemaliges Loveinterest von mir war, weil ich ja nicht weiß wie er aussieht. Apropos Aussehen. Hier ist meiner.” sagte ich und zeigte ihr ein Foto von mir und meinem Mann auf meinem Handy. Sie guckte ein wenig schockiert was mich nachhaken ließ. “Was ist denn? Kennst du ihn bei dir auch?”

“Kennen ist das falsche Wort, nur ich habe auch letzte Nacht von dir und deinem Mann geträumt und ich schwöre genau so sah er aus. Und ich habe ihn nie zuvor gesehen. Hier schau, dass ist mein Mann.”

Nun war auch ich schockiert. Der Traum war also nicht bloß aus meinem Unterbewusstsein entsprungen. Tatsächlich war sie mit dem Mann verheiratet den ich einst nur aus der Ferne anhimmelte und ihm nie meine Gefühle gestand, weil er gebunden war. Ich hätte gerne alles gewusst und auch wie wir von den beiden träumen konnten aber erst mal war die Arbeit zu erledigen und so gingen wir an die Arbeit und setzten uns erst zum Mittagessen wieder hin. 

“Ich kann es immer noch nicht fassen. Wie kann es sein, dass wir von unseren Männern träumen ohne sie gesehen zu haben?” fing ich direkt wieder das Gespräch an.

“Ich bin mir nicht sicher. Ich habe mit dem Professor für Quantenphysik darüber geredet. Er meint es könnte sich um eine Art Quantenverschränkung handeln. Dadurch dass die Barriere zwischen unseren Welten durchbrochen ist, kommuniziert unser Unterbewusstsein mit dem des anderen. Eventuell wäre dies auch im wachen Zustand möglich.” sagte Lilith. 

Ich starrte sie an, “Du meinst Gedankenübertragung zwischen Doppelgängern?”

“Ja genau. Mit anderen Worten, ich habe deine Träume geträumt und du meine. Wir haben bereits unterbewusst kommuniziert. Vielleicht sollten wir das austesten. ” zwinkerte sie mir zu. Ich sah sie an und dachte ohne es zu wollen ‘hmm vielleicht sollte ich mir die Haare auch mal färben, das sieht echt gut aus’, ich schmunzelte und dachte zurück ‘ich sollte mir meine Haare echt mal wieder wachsen lassen, sie ist so sexy’. Dann brachen wir beide in schallendes Gelächter aus und die anderen starrten uns an wie 2 Irre. 

‘Oh Mann 2 von der Sorte, unsere Männer können einem Leid tun’ dachte ich in ihre Richtung.

Auf einmal höre ich sie denken ‘ach ich weiß nicht, vielleicht fänden sie es auch ganz prickelnd, wir sollten mal heimlich tauschen wie Zwillinge’ und wieder lachten wir.

“So aber jetzt mal im Ernst, ich weiß bei euch herrscht noch Stillschweigen, aber bei uns ist es bereits öffentlich. Ich kann dich also mal mit nehmen und meinem Mann vorstellen.” bot mir Lilith an. 

Da konnte ich schlecht nein sagen, aber bevor sie es versehentlich aus meinen Gedanken erfuhr, sagte ich ihr direkt, “okay aber ich muss dich warnen. Ich habe das Pendant deines Mannes lange geliebt, ehe ich ihn mir aus dem Kopf schlug. Ich hoffe, dass ist nicht unangenehm.”

“Ach was,” entgegnete sie fröhlich, “es hätte mich auch gewundert wenn nicht und vielleicht darf ich ja irgendwann mal deinen Mann treffen und verliebe mich auch.” lachte sie.

Puh. Okay offensichtlich war sie selbstsicher und locker drauf, was ja unter anderen Umständen auch auf mich zutraf. Also stimmte ich zu und tauschte für heute Abend Hotelbett gegen ein Gästezimmer. 

Am Abend saß ich also mit beiden zusammen auf der Couch und wir redeten über die Unterschiede in unserem Leben. Ihr Mann Chris fragte mich dann, während er einen Arm um sie gelegt hatte. “Also wie kommts dass du nicht mit meinem Ebenbild zusammen bist, ich könnte mir ja keine Welt vorstellen in der ich meine Lilith nicht habe. Was hat mein Ebenbild denn da nur falsch gemacht?” und lächelte Lilith zufrieden an, während ich mich beinahe in seinen Augen verlor und mich richtig zusammen reißen musste. Lilith ist das nicht entgangen und sie schmunzelte. 

“Also falsch gemacht hat er nichts, es war einfach der falsche Zeitpunkt als wir uns kennenlernten. Er war bereits liiert und ich hätte mich niemals dazwischen gedrängt. Eine Zeitlang war ich richtig eifersüchtig auf sie aber dann hab ich Pete getroffen und der Blitz hat eingeschlagen. Es war uns einfach nicht bestimmt. Aber ich bin mit deinem Ebenbild immer noch befreundet. “

“Naja was nicht ist kann noch werden.” grinste er mich an und ich war ihm beinahe schon verfallen. Ich kniff mich selbst kurz um mir die Absurdität der Situation ins Gedächtnis zu rufen. 
‘Hach es ist wirklich Zeit, dass ich meinen Mann wieder sehe’ dachte ich nur und Lilith schmunzelte. Ich hielt mir die Hand vor den Mund, als ob das was bringen würde und funkelte sie kurz an,” was hast alles gehört?” 

“Nur das wichtigste” lachte sie. “und ich kann dich verstehen, 2 Tage waren schon viel zu viel, hoffentlich treten eure Leute bald vor die Presse. Geheimniskrämerei bringt nicht. Die Wahrheit kommt sowieso raus. “

“Da hast du recht. Aber das mit der Gedankenübertragung, sollten wir echt mal unseren Vorgesetzten erzählen. Wir sind sicher nicht die einzigen. Ach ja, apropos Gedankenübertragung. Mein Teamleiter Flo ist neugierig und da er bei euch nicht Teamleiter ist, soll ich mach raus finden was sein Ebenbild so treibt, hier das ist er, kennst du ihn?”

Ich zeigte ihr ein Bild vom Team und deutete auf Flo. 

“Ach der ja, denn kenn ich. Ob die beiden auch voneinander träumen? Na egal falls nicht sag ihm er ist eine ganz große Nummer,” und zwinkerte mich an,” er ist nämlich der Professor für Quantenphysik von dem ich dir heute Mittag erzählt habe.”

“Haha na wenn sich die Hirne der beiden verschränken, kann er sich das Studium sparen und direkt promovieren.” und musste herzhaft lachen.

Ich bin ja neugierig wie Flo darauf reagiert. Egal ob sein Ebenbild schlechter oder besser ist, ich wusste es würde ihn ein bisschen in seiner Eitelkeit kränken. Aber das war ja mal richtig lecker.

Ich freute mich schon ihm davon zu erzählen. 

Wir plauderten noch eine ganze Weile und als es spät wurde zog ich mich ins Gästezimmer zurück und schlief recht schnell ein. Meine Träume gaben mir einen kleinen Wink darauf was Lilith und Chris noch getrieben haben 😉

Langsam wohnte ich quasi bei Lilith und Chris. Ich durfte immer noch nicht nach Hause. Also war es besser als Hotel. Richtiges Essen, dampfen im Zimmer und normale Klamotten am Abend tragen, machten die Situation erträglicher. Also blieb ich dort, auch an meinen freien Tagen. 

Aber ich war trotz Gesellschaft sehr einsam geworden. Ich konnte weiterhin videochatten, aber das ersetzte es eben auch nicht.

Heute war es besonders schlimm. Ich hatte mitten in der Woche frei weil wir das ganze Wochenende durchgearbeitet hatten um das Portal zu stabilisieren, was uns gestern schließlich auch geglückt war. Aber nun sitze ich hier, mein Mann ist nicht erreichbar, weil er selbst arbeiten ist und ich weiß nichts mehr mit mir anzufangen. 

Lilith ist arbeiten und auch gerade nicht zu einem telepathischen Plausch aufgelegt.

Also sitze ich nur im Wohnzimmer auf der Couch und scrolle durch mein Handy als Chris nach Hause kommt. ‘Chris und Christine’ dachte ich nur und musste schmunzeln. Er hatte ja in meiner Welt einen anderen Namen. 

Er lächelt mich an und fragt:” Was ist so lustig?”

“Ach nichts. Ich musste nur über die Unterschiede nachdenken. Dein Name zum Beispiel. Er hätte gut zu meinem gepasst .” zwinkerte ich ihn an und verbarg meine Unsicherheit. 

Nun musste er auch schmunzeln. 

“Und was machst du heute noch. Du hast doch frei?” fragt er nach.

“Ach keine Ahnung. Ich habe kein Geld für eure Welt und nur spazieren wäre auch langweilig und alleine auch zu gefährlich denke. “

“Ach Quatsch, ich weiß nicht wie es bei euch ist, aber wir leben in einer guten Gegend hier. Du kannst jederzeit los. Aber das mit dem Geld ist natürlich ein Problem. Weißt du was, ich bin für heute fertig und Lil kommt erst am Abend nach Hause. Lass uns doch was unternehmen. Vielleicht finden wir ja was, was du noch nicht kennst.” forderte er mich auf und streckte mir die Hand entgegen. Ich blickte ihn an und auf meine fast leere E-Zigarette und entgegnete ihm ” ich hoffe es gibt Vapeshops bei euch. Ich brauche Sprit 😉 “

Also nahm er mich mit in die Stadt und ich zeigte ihm hier und da Läden die bei uns nicht an dieser Stelle stehen und erzählte ihm ein bisschen aus meinem Leben. 

Bei einem Starbucks holten wir uns einen großen Kaffee und setzten uns in den Park. Die Sonne schien und es hatte angenehme 25 Grad. Meine Dampfe war inzwischen nachgefüllt und ich lehnte mich zurück und blickte die Menschen an. 

“Die Menschen hier sind anders als bei uns, weißt du? Sie wirkten nicht so abgehetzt und zufriedener. Woran liegt das?” schaute ich ihn fragend an.

“Ich weiß nicht, wir waren schon immer so. Es gibt ja keinen Grund unzufrieden zu sein. Es fehlt uns an nichts. Aber es war früher schon anders. Das weiß ich aus Erzählungen meiner Großeltern. Nach dem 3. Weltkrieg hat sich aber alles verändert. Plötzlich war Geld und Macht nicht mehr wichtig. Und seither ging es immer bergauf mit unserer Gesellschaft. Wie war es denn bei euch?”

Mit offenem Mund starrte ich ihn an. “Es gab einen 3. Weltkrieg bei euch?” was ihn wiederum verwunderte. “Bei euch denn nicht? Russland und Amerika konnte es einfach nicht lassen und so brav 1966 der 3. große Krieg über uns herein, kaum dass sich die Gesellschaft vom 2. erholen konnte. Aber damit hat sich alles geändert. Immer mehr Menschen weigerten sich zu kämpfen. Die am Krieg beteiligten Regierungen wurden schließlich vom Volk gestürzt und der Krieg war einfach zu Ende. Gemeinsam haben wir alles wieder aufgebaut. Niemanden hat Profit interessiert. Und so hatten alle einen sauberen Neustart. Das ganze hat sich auch auf die 3. Welt ausgewirkt auch diese wurden plötzlich unterstützt ohne das jemand eine Gegenleistung erwartete. Und so kam es schließlich zum endgültigen Frieden. “

Ich war baff. Uns stand es noch bevor. Es gab so viele Kriege auf unserer Welt. Und immer genug die bereit waren für eine dumme Ideologie zu sterben und zu töten. Wir waren weit entfernt von Frieden. Deshalb sollte auch niemand vom Portal erfahren. Was das erst auslösen würde. 

Aber jetzt frage ich mich ob wir nicht daraus lernen könnten. Dann müsste ich nicht einsam in einer fremden Welt sitzen. In dem Moment überkamen mich die Tränen. 

Chris zögerte nicht und zog mich in seine Arme. Als ich keine Tränen mehr hatte, nahm er mein Kinn und drehte mein Gesicht zu ihm. Er wischte mir die Tränen von den verquollenen Augen und plötzlich küsste er mich. Es war schön und verwirrend zugleich. Einerseits erfüllte sich ein alter Wunsch von mir, aber andererseits war er nicht der Mann den ich damals liebte und auch nicht der den ich jetzt liebe. Der wartet zu Hause auf mich und ist sicher genauso einsam wie ich und weiß nicht mal wo ich gerade bin. Ich drückte ihn von mir und sah ihm lange in die Augen. Ich konnte sein Verlangen sein und auch ich war gerade zu ausgehungert. Ich weiß nicht was ich dachte oder ob ich überhaupt dachte. Aber ich küsste ihn leidenschaftlich und versank in seinen Armen. Die Einsamkeit wurde aus meinem Kopf verdrängt.  Wir gingen zurück in die Wohnung und direkt ins Gästezimmer wo ich ihn aufs Bett zog. Mein Körper schrie nach seinen Berührungen doch ich wollte und konnte es Lilith nicht antun. Wir lagen nebeneinander und sahen uns nur an. 

“Ich bin nicht sie, weißt du?” kam es plötzlich aus meinem Mund. ” Du liebst sie doch oder?”

Die Leidenschaft war verflogen und er schaute mich nachdenklich an. “Ja das tue ich sagte er schließlich. Aber dich liebe ich auch obwohl oder gerade weil du anders bist. Aber ich kann verstehen wenn du nichts überstürzen willst. Wer weiß wie sich die Dinge entwickeln. “

Dann zog er mich in seine Arme und streichelte mir nur tröstend über den Kopf. Ich war noch nie emotional so verwirrt. Aber es war einfach nur schön in seinen Armen zu liegen, wie ich es sonst mit meinem Mann tat. Trotzdem wurde mir klar, dass es besser war zurück zu gehen und im Hotel zu bleiben bis wir endlich wieder die Freigabe hatten. 

Also genoss ich die Nähe noch ein wenig, aber als ich hörte, dass Lilith nach Hause kam raffte ich mich auf und fing an meine Sachen zu packen. Chris verstand mich ohne Worte ganz ohne Telepathie. Es war schon seltsam. Er nahm dann den Koffer und trug ihn für mich die Treppen runter wo Lilith mich verwundert anblickte. 

“Ich gehe zurück” sagte ich nur leise. “ich habe eure Gastfreundschaft lange genug strapaziert und ich weiß nicht was ich tun muss, aber ich will zu meinem Mann nach Hause. “

Lilith blickte mich verständnisvoll an, es war als hätte sie alles mitbekommen was mir heute durch den Kopf ging und wüsste genau was passiert war, aber sie war mir nicht böse.

Ich umarmte sie und flüsterte “auf Wiedersehen, Schwester”.

Nun kamen ihr die Tränen. Aber genauso fühlte es sich an. Wir waren wie Zwillinge geworden. Aber nun war es Zeit etwas zu unternehmen. Wir konnten nicht ewig wie Sklaven arbeiten ohne unsere Familien zu sehen. 

Ich trat mit meinem Gepäck durch das Portal, wo mich Flo freudig in Empfang nahm.

Wir hatten uns eine Woche weder gesehen noch gesprochen. 

“Christine!” glänzten seine Augen “Wie geht es dir? Ihr habt gute Arbeit geleistet.”

“Danke Flo. Ja es geht mir gut, aber sag gibt es was neues, können wir endlich wieder nach Hause?” sah ich ihn flehend an.

“Leider nicht, das Militär hält weiterhin alles unter Verschluss, alles ist abgeriegelt. Ich wünschte ich hätte bessere Neuigkeiten.”

“Tja ich habe bessere Neuigkeiten. Ich habe vielleicht eine Lösung, wobei dem Militär wird sie definitiv nicht gefallen. “

Flo sah mich neugierig an und ich weihte ihn in meinen Plan ein. Die Friedensbewegung in der anderen Welt hatte mich inspiriert. 

“Ganz schön riskant, “meinte Flo nach meinen Ausführungen ” wenn das schief geht, landen wir alles im Gefängnis.” doch ich beruhigte ihn, ” es wird nicht schief gehen, wenn alle mit machen und ich denke alle wollen zurück nach Hause, also wirds funktionieren. Trommel das Team im Pausenraum zusammen. Wir müssen handeln bevor das Militär etwas merkt.”

1 Stunde später standen wir im Pausenraum und ich erläuterte meinen Plan. 

Mit unseren Handys bewaffnet machen wir uns alle auf den Weg zum Portal. Die 2 Militärs guckten nicht schlecht als ihnen eine Gruppe aus gut 100 Leuten entgegen kam und hatte keine Wahl als uns durch zu lassen. 

Drüben erwartete mich bereits Lilith mit einer ebenso großen Gruppe. Ich hatte unsere Verbindung genutzt um sie in den Plan einzuweihen. 

Alle trafen sich mit ihren Pendants und begannen damit Fotos und Videos von sich und dem Portal zu machen. Dann fügten wir alles zusammen und ich sprach noch einen Text dazu ein, der erklärte was im CERN passiert war. 

Da wir das Video nur in unserer Welt hochladen konnten mussten wir es nur noch aus dem Gelände schmuggeln. Da kam Flo ins Spiel. Er war der einzige der raus durfte um Sachen für uns zu holen. Also schickte er den Stick an Chris Pendant Jeff, der ebenfalls Reporter war. 

Es dauerte nur wenige Tage, bis der General des Militärs zu uns kam und uns darüber in Kenntnis setzte, dass das Geheimnis gelüftet wurde und er weiß dass wir alle da mit drinnen stecken. Aber das war uns egal. Denn er hatte keine Wahl mehr. Da sich die Reporter vor dem Gelände gerade zu auftürmten. Durch die Videocalls wusste ich, dass unser Plan funktioniert hatte.

Die Menschen waren begeistert von dem Wissen um die Parallelwelt aber entsetzt, dass wir die ganze Zeit gegen unseren Willen festgehalten wurden. 

Und so wurden wir offiziell von unserer Stillschweigevereinbarung entbunden und durften endlich nach Hause fahren. Viele unserer Angehörigen waren bereits neben den Reportern an den Toren und gaben wütende Interviews, was die Sache so sehr angeheizt hatte, dass der General wohl mächtig Ärger bekommen hatte.

Als ich auf den Zaun zu lief, sah ich bereits meinen Mann der ebenso dort mit den anderen stand und lief umso schneller auf das Tor zu. Alle Menschen vor dem Tor bildeten eine Schneise um uns durch zu lassen. 

Ich lief auf meinen Mann zu und fiel ihm glücklich um den Hals. 

Beide hatten wir Tränen in den Augen und ich spürte wieder, dass er es ist den ich brauchte, egal wie sich andere Realitäten entwickelt hatten. 

“Du hast mir sicher einiges zu erzählen” sagte er glücklich. 

“Später.” grinste ich ihn frech an und zog ihn ins Auto um schnellst möglich nach Hause zu kommen. 

Ich würde ihm noch so einiges erzählen müssen. Aber jetzt war ich nur glücklich zu Hause zu sein und zog ihn mit ins Schlafzimmer um endlich mein Verlangen zu stillen. 

Als wir dann völlig außer Atem nebeneinander lagen, nahm ich nur kurz mein Handy und schrieb an Flo :” ich nehme jetzt erst mal Urlaub 😉 “

“das will ich dir auch raten du Teufelsweib. Soll doch das Militär den Laden am laufen halten, ich bin bei meiner Familie und da bleib ich auch erst mal ;-)” kam es kurz darauf zurück. 

Ich musste lachen und schlang meine Arme um den Hals meines Mannes.

“Weißt du Schatz, ich hab dir jede Menge zu erzählen, aber das wichtigste kommt zuerst. Ich liebe dich und ich will nie wieder so lange von dir getrennt sein.”

Er küsste mich innig und ich versank in seinen Armen. 

Es brauchte offenbar erst einen Supergau und ein Portal in eine Parallelwelt damit ich erkannte, dass ich immer schon den Richtigen hatte. Danke Multiversum. Danke.

Parallelwelten

Es war ein ganz normaler Tag an meinem Arbeitsplatz, ich war niemand besonderes auch wenn mich viele um meinen Job beneideten. Ich arbeitete nämlich im Cern, dem größten Teilchenbeschleuniger der Welt.

Aber ich war niemand besonderes hier. Nur ein kleiner Techniker, dafür immer nah am Geschehen. Die gebildeten Leute waren weit weg von der Gefahrenzone, wird waren direkt im Tunnel direkt am Beschleuniger.

Sollte jemals was schief gehen, würde es uns erwischen und die klugen Köpfe hätten noch Zeit um sich in Sicherheit zu bringen.

Ich hatte mir aber nie wirklich Gedanken gemacht. Ich hatte keine Angst außer am ersten Tag. Als der Beschleuniger ans Netz ging, da hatten wir Angst dass uns alles um die Ohren fliegt. Aber alles lief wie am Schnürchen und seither machen wir unsere täglichen Kontrollgänge und reparierten hin und wieder kleine Schäden an der Hülle oder überprüften Kontrolltafeln Vorort.

Als ich also die Arbeit antrat hatte ich wie immer nichts besonderes erwartet. Bis plötzlich der Alarm anging. Oft war der Alarm auch was gutes. Ein Zeichen für eine Abweichung konnte heißen, dass uns wieder ein Experiment geglückt war.

Aktuell versuchten wir einen Urknall nachzubilden, natürlich ohne ein ganzes Universum zu erschaffen sondern nur ganz klein. Wir hatten Eindämmungsfelder um das Experiment direkt zu unterbrechen wenn wir die Daten hatten.

Doch diesmal ging etwas schief. Der Alarm ging los und mein Blick viel auf die Kontrolltafel. Das Eindämmungsfeld hatte versagt, wenn nun 2 Teilchen kollidieren würden, könnten wir die Expansion nicht verhindern. Wir mussten schnell handeln.

Von oben kamen bereits die Durchsagen, sie hatten die Kontrolle verloren, es hing also an uns Technikern einen Supergau oder besser gesagt das Ende der Welt zu verhindern. Wir machten uns sofort daran den Fehler zu finden, das Eindämmungsfeld musste wieder hergestellt werden, während wir fieberhaft die Kabel überprüfen und die Einstellungen und Energiezufuhr checkten kam eine Durchsage.

“An das Personal, wir haben eine Kollision. Ich wiederhole, wir haben eine Kollision wir brauchen das Eindämmungsfeld jetzt. “

Oh mein Gott das wars jetzt. Wir wussten wie schnell die Expansion geht. Wir mussten uns beeilen oder die Anlage wäre dahin und damit jede Chance auf Eindämmung.

Ich steckte gerade die letzten Kabel wieder ein, als ich bereits eine Art Welle auf mich zu kommen sah. Ich schaltete das Eindämmungsfeld wieder ein und die Welle machte vor mir halt. Nur wenige Zentimeter trennten mich von diesem neuen Universum? Wenn man es so nennen konnte. Ich atmete auf und kontrollierte alle Werte. Das Feld war stabil. Die Expansion war gestoppt.

Ich entfernte mich vorsichtig von dem Feld, auch wenn ich meinen Augen nicht trauen konnte. Ich sah von weitem hinein und es war als könnte ich mich in einem Spiegel sehen, aber ich sah anders aus? Meine Haare waren deutlich länger und hatten ihre natürliche Farbe, ich war aber kurzhaarig mit violettem Haar. Was zur Hölle war das, schien auch der Blick meines seltsamen Spiegelbildes zu sagen.

Ich lief nach oben und in die Waschräume. Ich blickte in den Spiegel und es war alles normal. Bis auf die Tatsache, dass ich kreidebleich und verschwitzt war. Kurze, violette Haare. Was hatte ich da gesehen?

Ich ging nach oben zum Meetingraum. Dort waren wir Techniker sonst nie, aber nach einem Unfall war die Order sich zu sammeln sobald alles stabilisiert war und das war nun der Fall. Ich merkte schnell, dass viele meiner Kollegen fehlten. Offenbar hatten sie nicht so viel Glück. Es konnte noch nicht mit Sicherheit gesagt werden ob sie vaporisiert oder verschluckt wurden oder ob wir ihre Leichen noch finden würden. Aber erst mal war klar, dass mindestens 5 Techniker verschwunden waren.

Im Meetingraum kam Unruhe auf, die Menschen bekamen Angst als plötzlich das Militär auftauchte. Alle Leute inkl. mir wurden zu dem Vorfall befragt. Sie wollten unter anderem wissen ob irgendjemand Berührung mit dem Feld hatte, der nicht verschwunden war. Ich gab offen zu dass ich nur Zentimeter entfernt war. Also nahmen sie mich direkt mit um mich medizinisch untersuchen zu lassen. Zu meiner Sicherheit wie sie sagten.

Nachdem ich gescannt und gepickst wurde kam ich zu einem Berater, wie sie sagten sollte er mich psychologisch betreuen, ob ich auch kein Trauma hätte. Aber ich merkte schnell das mehr dahinter steckte.

Ich meine wir konnten alle froh sein, dass nicht mehr passiert war und ich denke die wenigsten von uns waren traumatisiert. Die Berater sollten sich lieber um die Familien der Verschwundenen kümmern.

Doch sie waren offensichtlich neugierig und wollten wissen was ich gesehen hatte. Und da ich auch immer noch verwirrt war und wissen wollte, was das war erzählte ich ihnen von meinem seltsam anderen Spiegelbild.

Ich war wohl auch nicht die einzige. Ein anderer Techniker im Tunnel war auf der anderen Seite der Welle und sah wohl ähnliches. Ich musste eine Verschwiegenheitserklärung unterschreiben, aber man traute uns wohl nicht, denn keiner durfte an diesem Tag nach Hause. Wir wurden alle in einem Hotel untergebracht, wo außer uns keine anderen Gäste waren und draußen wurden Militärs platziert.

Nun was sollte ich noch machen, dachte ich mir und ging einfach nur duschen und ins Bett. Aber wer war sie? Diese andere Christine, die mir aus dem Feld entgegen schaute. Wie konnte sie gleichzeitig ich und doch nicht ich sein?

Vielleicht würde ich morgen Antworten bekommen.

Ich drehte mir eine Serie auf Netflix auf und versuchte zur Ruhe zu kommen. Da man mir mein Handy abgenommen hatte, konnte ich nur hoffen, dass mein Mann informiert wurde, dass ich hier war.


Der nächste Tag ist angebrochen. Ich wurde durch einen Weckruf der Rezeption aus meinen Träumen gerissen.

Ich duschte und zog erst mal den Hotelbademantel an. Ich wusste, dass meine Kollegen in den Zimmern neben mir untergebracht waren und klopfte daher einfach mal an die Tür neben an. Mein Kollege Matthias öffnete mir die Tür, ebenfalls im Morgenmantel.

“Guten Morgen, Matthias. Hast du schon irgendwas neues gehört?”

“Nein bisher nicht, aber ich habe die Rezeption angerufen, wegen unserer Klamotten, mir wurde gesagt wir bekommen gleich Arbeitskleidung damit wir wieder los können. Ich schätze mal sie brauchen uns zum Aufräumen. Da wir ja zur Verschwiegenheit verpflichtet wurden, werden sie sicher keinen externen Putztrupp in die Pipe schicken.”

“Da hast du vermutlich recht. Na gut ich warte noch auf die frische Kleidung dann geh ich frühstücken. Sehen wir uns unten?”

“Ja klar, bis nachher.”

So ging ich zurück und zappte noch kurz durch die Kanäle. Der Unfall wurde immer noch geheim gehalten, es gab nichts darüber in den Nachrichten.

Nachdem mir ein Uniformierter der Garde meine Kleidung brachte, machte ich mich auf zum Frühstück. Zumindest war alles von der Firma gedeckt. Und entdeckte ich dann auch meinen Teamleiter Florian und fragte bei ihm nach.

“Flo, weißt du was mit unseren Handys ist bzw. ob ich meinen Mann kontaktieren kann?”

“Hey Christine, ja sorry wegen der Sicherheitsmaßnahmen. Dein Mann und die anderen Angehörigen der Mitarbeiter wurden so weit es die Verschwiegenheit erlaubte informiert, dass ihr derzeit unabkömmlich seid. Aber ich bin für alle erreichbar, falls sie euch erreichen müssen.”

Das beruhigte mich ein bisschen.

Nachdem Frühstück wartete ein Mietbus und brachte uns zurück zum Cern. Dort angekommen ging es erst mal wieder in die große Halle wo bereits alle gespannt warteten. “Der Professor” betrat die provisorische Tribüne am Ende der Halle. “Der Professor, war einfach Prof. Maximilian Porfido. Er war theoretischer Physiker und Experimentalphysiker. Er war immer so in seinem Element, dass er obwohl es viele Professoren hier gab, den Spitznamen “der Professor” bekam.

Wir waren alle gespannt und es wurde leise im Saal.

“Sehr verehrte Damen und Herren, ich bitte um ihre Aufmerksamkeit. Gestern kam es zu einem Vorfall, der so nicht geplant war. Ich spreche ihnen als erstes mein Beileid für den Verlust unserer Kollegen aus. Auch möchte mich bei allen Technikern bedanken, die ihr Leben riskiert haben um uns allen den Arsch zu retten. Ohne sie wären wir alle nicht mehr hier. “

Ein Raunen ging durch die Menge, die Techniker waren normalerweise das Fußvolk unter den ganzen Intelligenzbestien,  es war schön, wenn auch die Umstände es nicht waren, dass man unsere Leistung zu schätzen wusste.

“Nun zu den nun ja mehr und minder positiven Nachrichten. Einige von ihnen ahnen vielleicht bereits was wir da erschaffen haben, wenn auch unbeabsichtigt. Der Plan war ein Urknall und die Erschaffung eines Miniuniversums. Die Voraussetzung dieses Experiments war, dass es nur ein Universum gibt, also unseres. Doch nun haben wir den Beweis, dass es nicht so ist. Während wir also unseren Beschleuniger starteten, wurde auch ein zweiter Beschleuniger gestartet und dieser stand an der selben Stelle im Raum. Getrennt durch einen dünnen dimensionalen Schleier und auf der subatomaren Ebene wurde eben jener Schleier gestern durchbrochen. Teilchen unserer Beschleunigers kollidierten mit  Teilchen aus einer parallelen Dimension genau neben unserer und so kam es zum Knall und es entstand nicht etwas ein neues Universum sondern ein Riss in der Raum-Zeit die uns ein Portal in diese Parallelwelt öffnete.  “

Bei diesen Worten blieb wirklich jedem der Mund offen stehen. Selbst dem intelligentesten Professor.

“Unsere Aufgabe ist es nun als erstes sicherzustellen, dass dieses Portal stabil bleibt und sich nicht weiter ausdehnt. Wir wissen bereits, dass es auch auf der anderen Seite einige Opfer der Explosion gab. Deshalb werden wir einige Techniker durch das Portal schicken. Wir müssen uns nun gegenseitig bei unseren Bemühungen unterstützen. Gehen sie nun nach unten. Sie werden von ihrem Teamleiter eingeteilt. Er weiß wer in das Portal gehen darf und wer nicht.”

Das war unglaublich, wie gerne hätte ich jetzt mit meinem Mann gesprochen. Es wurde richtig laut in der Halle, also machte ich mich auf den Weg nach unten. Wir reihten uns ein und warteten welche Aufgaben uns zugeteilt wurden.

“Christine”, rief mich Flo bereits zu sich. “Du bist im Reparaturteam Alpha, dass heißt du gehst durch das Portal.”

“Wow okay, darf ich fragen warum?” “Du darfst aber ich kenne die Antwort nicht. Das hängt wohl alles von den Untersuchungen gestern ab. Ich würde gerne mit dir tauschen. Erzähl mir nachher alles.” “Okay, naja dann, muss ich irgendwas beachten oder einfach durchgehen?” “Hier nimm dieses Gerät, es ist ein Phasendiskriminator, damit kannst du durch das Kraftfeld gehen, wir können es ja erst ausschalten wenn das Portal stabil ist. Der Durchgang ist da hinten wo die beiden Gardisten stehen.” “Na dann, wünsch mir Glück, Flo.” “Viel Glück Christine.”

Na dann Augen zu und durch. Ich ging auf das Portal zu. Die Wachen guckten kurz auf mein Namensschild und nickten, ich könnte durch gehen. Ich hielt die Luft an. War es sicher? Würde ich was spüren? Es hatte keinen Zweck und meine Neugierde überwog. Ich ging also hindurch und es war tatsächlich… nichts.. ich hätte gedacht man spürt irgendwas. Aber ich war drüben, abgesehen von dem Chaos der Explosion sah es hier recht ähnlich aus. Das CERN Symbol hatte hier eine rote Farbe, keine blaue. Aber sonst war es identisch.

“Hallo Christine.” begrüßte mich eine sehr bekannte Stimme, es war nämlich meine. Mein Spiegelbild mit den langen natürlichen Haaren kam auf mich zu. Ich war ein bisschen sprachlos.

“Ähm hi, Christine?” “Nicht ganz, tja da sind schon die ersten Unterschiede zwischen unseren Welten. Meine Eltern haben mich nämlich nicht Christine genannt sondern meine große Schwester. Ich bin Lilith.”  “Große Schwester?” ich machte große Augen, sie war mein Ebenbild, aber sie hatte eine Schwester und ich…
“Hast du keine Schwester?” meinte Lilith.
“Nein ich habe einen Bruder, sein Name ist Bobby.”
“Wow das ist ja soooo cool!” sie war wirklich begeistert und ich noch etwas verwirrt.

Aber es hatte keinen Sinn sich den Kopf zu zerbrechen, welcher Schmetterling einen Bruder zur Schwester macht, also riss ich mich zusammen und wir machten uns an die Arbeit.


Nachdem wir den ganzen Tag gearbeitet haben, nahm Lilith mich noch mit in die Kantine und wir aßen gemeinsam. Sie war wie ich verheiratet aber kinderlos. Ihre Eltern hatten sich scheiden lassen, als sie noch ganz klein war, meine waren immer noch zusammen, obwohl die Scheidung vielleicht die bessere Wahl gewesen wäre, das wollte ich aber nicht erwähnen. Sie hatte noch 2 jüngere Halbgeschwister durch ihren Vater und ihre Stiefmutter. Und sie schien ein sehr glückliches Leben zu führen.

Doch dann wurde ihr Blick finster. “Was ist denn?” fragte ich besorgt.
“Ach nichts, ich vermisse meinen Mann, ich durfte noch nicht mit ihm sprechen seit dem Unfall. Er ist Reporter und man will halt erst mal nichts nach außen dringen lassen.” “Nachvollziehbar, wir dürfen auch nicht kommunizieren zurzeit. Ich hoffe das ändert sich bald. Ich würde dir ja Fotos von uns zeigen, aber mein Handy ist irgendwo weggesperrt, ich hoffe ich bekomme es irgendwann wieder.”

“Hmm ja wäre interessant zu sehen ob wir die selben Männer haben. Die Namen helfen uns ja nicht, wie wir 2 schon festgestellt haben.” lachte sie und ihre Miene hellte sich auf.

Nach dem Essen ging ich zurück zum Portal, meldete mich ab und schritt zurück wo mich Flo erwartete. Er sah fertig aus, aber er strahlte mich an.

“Komm ich fahr dich ins Hotel, dann kannst du mir alles erzählen, flüsterte er mir zu. ” Also fuhren wir gemeinsam los. Am Weg erzählte ich ihm von den kleinen Unterschieden im Design und den großen zwischen dem Leben von mir und meinem Ebenbild. Flo war fasziniert.

“Hach was würde ich darum geben mein Ebenbild zu treffen. Hast du mich, also ihn dort gesehen?” fragte Flo neugierig.

“Jetzt wo du es sagst, nein du bist mir nicht begegnet. Dort ist ein anderer Teamleiter, sag es nicht weiter, ich will nicht dass es ihm zu Kopf steigt. Aber es ist Matthias.” Kicherte ich.

“Ich bin sicher du bist auf einer höheren Ebene Flo.” zwinkerte ich.

“Hmm ich weiß nicht ob ich das gut finden kann, aber ich werde Matthias nichts verraten. Wir sind da.  “

Wir stiegen am Hotel aus und wurden wieder von Militärs empfangen. Doch es gab eine positive Überraschung. Wir bekamen unsere Handys zurück. Allerdings hatte ich kein Netz. Hier war wohl ein Störsender.

“Und was soll ich so damit anfangen.” sagte ich leicht verärgert, ich wollte mit meinem Mann reden.

“Hier,” sagte der Militärtyp nur kurz angebunden und gab mir eine Karte mit einem QR Code für das WLAN. Auf der Rückseite war ein Hinweis. Jegliche Kommunikation wird überwacht. Bitte geben sie keine Informationen an Außenstehende weiter, da wir diese sonst vorübergehend festnehmen müssen.

Wow, okay aber immerhin hatte ich mein Handy wieder, vielleicht hatte Lilith ihres ja auch schon bekommen.  Ich schätze mal mit ihr kann ich nicht schreiben.

Ich aktivierte also das WLAN Signal und sah schon wie die Nachrichten eintrudelten. Klar hat sich mein Mann Sorgen gemacht. Ich lass mir alle Nachrichten durch, die letzte war, dass er mit Flo gesprochen hat und sich freut mich wieder zu sehen.

Also startete ich direkt einen Video Anruf.

Sein Gesicht erschien strahlend auf dem Bildschirm.

“Hallo Schatz du fehlst mir, wie gehts dir, wann kannst du nach Hause kommen, was ist passiert?” sprudelte er drauf los.

“Okay okay, ganz ruhig, also 1. fehlst du mir auch, 2. geht es mir gut, 3. weiß ich noch nicht und 4. darf ich dir nicht sagen.  Also machen wir es anders rum. Wie geht es dir, kommst du zurecht, brauchst du irgendwas, Flo kann sich darum kümmern.”

“Nein nein, alles gut, ich brauche nur dich aber ich werde mal mit dem Videocall vorlieb nehmen müssen.”

“Ja leider, tut mir so leid, ich hoffe, dass sich bald alles geklärt hat und ich wieder nach Hause kann. Aber bis dahin bleiben wir eben so online. Wollen wir eine Watchparty machen. Ich hab 9-1-1 noch nicht gesehen.”

“Ja klar gerne.”

Also starteten wir gemeinsam die Serie und stellten unsere Handys in Sichtweite während wir die Serie schauten. ” Irgendwann hab ich dann gehört wie er eingeschlafen ist, also legte ich auf und schickte ihm nur noch eine Nachricht.

Ich liebe dich, schlaf gut mein Schatz <3

Dann legte ich mich hin und fing auch an zu träumen. Ich träumte davon eine Schwester zu haben und mit einem Reporter verheiratet zu sein und alles was mir Lilith erzählt hatte. Es war ein schönes Leben. Sie musste echt glücklich sein.

Im letzten Bild sah ich ihren Mann und wachte auf. Es war der Mann in den ich mal verliebt war, ehe ich meinen Mann traf. Könnte es sein, dass er wirklich der Reporter ist? Ich hoffte, das Lilith auch ihr Handy wieder hatte und wir uns Fotos zeigen könnten, ich schaute auf die Uhr und es war erst 3 Uhr morgens. Ich rieb mir kurz den Schlaf aus den Augen und ging auf den Balkon.

“Hey Christine,” hörte ich Matthias vom Balkon nebenan. Er stand da und zog an seiner E-Zigarette. “Kannst du auch nicht schlafen?”

“Bis jetzt schon, ich hatte nur sehr verwirrende Träume, ich hab wohl viel zu verarbeiten. “

“Das glaub ich dir, aber sag hast du vielleicht ein bisschen Liquid, meins ist fast alle und ich komm ja aktuell zu keinem Laden, Flo hat aber versprochen dass er morgen was liefern lässt.”

“Ja klar warte ich komm rüber.”

Also ging ich zu Matthias und nachdem wir seine E-Zigarette aufgefüllt hatten, setzten wir uns auf den Balkon. Matthias hatte tatsächlich einiges zu verarbeiten. Einer unserer Techniker Anton, der bei dem Unfall gestorben ist, stand gestern plötzlich vor ihm, es war sein Spiegelbild aus der anderen Welt. Anton und Matthias waren sehr gute Freunde und dementsprechend war es echt hart für ihn. Wir unterhielten uns über Anton bis es hell wurde. Dann ging ich zurück auf mein Zimmer um zu duschen und mich anzuziehen. Nachdem Frühstück ging es zurück.

Flo hatte mir schon gesagt, dass ich vermutlich die ganze Woche in der Parallelwelt aushelfen werde und ich freute mich schon. Ich wollte unbedingt wissen, wer Liliths Mann war.


Ich freute mich bereits auf meine Arbeit mit Lilith, auch sie strahlte mich an als ich durch das Portal kam. Es war noch früh und so zog es uns erst auf einen Kaffee in die Kantine.

Erstmal hab ich Lilith gesagt, dass wir unsere Handys wiederhaben und ich gestern endlich mit meinem Mann telefonieren konnte. Und auch bei ihnen war es schon ruhiger geworden. Während man auf unserer Seite noch sehr vorsichtig agierte, gab es bei ihnen bereits eine Pressekonferenz und es wurde soweit als möglich der Bevölkerung erklärt was geschehen war. Bestimmt würden sich einige darum reißen eine Chance zu bekommen, wie wir sie gerade hatten. 

“ich hatte letzte Nacht einen interessanten Traum.” sagte ich zu Lilith. “Ich sah dich und deinen “Mann” nur dass es im Traum wohl ein ehemaliges Loveinterest von mir war, weil ich ja nicht weiß wie er aussieht. Apropos Aussehen. Hier ist meiner.” sagte ich und zeigte ihr ein Foto von mir und meinem Mann auf meinem Handy. Sie guckte ein wenig schockiert was mich nachhaken ließ. “Was ist denn? Kennst du ihn bei dir auch?”

“Kennen ist das falsche Wort, nur ich habe auch letzte Nacht von dir und deinem Mann geträumt und ich schwöre genau so sah er aus. Und ich habe ihn nie zuvor gesehen. Hier schau, dass ist mein Mann.”

Nun war auch ich schockiert. Der Traum war also nicht bloß aus meinem Unterbewusstsein entsprungen. Tatsächlich war sie mit dem Mann verheiratet den ich einst nur aus der Ferne anhimmelte und ihm nie meine Gefühle gestand, weil er gebunden war. Ich hätte gerne alles gewusst und auch wie wir von den beiden träumen konnten aber erst mal war die Arbeit zu erledigen und so gingen wir an die Arbeit und setzten uns erst zum Mittagessen wieder hin. 

“Ich kann es immer noch nicht fassen. Wie kann es sein, dass wir von unseren Männern träumen ohne sie gesehen zu haben?” fing ich direkt wieder das Gespräch an.

“Ich bin mir nicht sicher. Ich habe mit dem Professor für Quantenphysik darüber geredet. Er meint es könnte sich um eine Art Quantenverschränkung handeln. Dadurch dass die Barriere zwischen unseren Welten durchbrochen ist, kommuniziert unser Unterbewusstsein mit dem des anderen. Eventuell wäre dies auch im wachen Zustand möglich.” sagte Lilith. 

Ich starrte sie an, “Du meinst Gedankenübertragung zwischen Doppelgängern?”

“Ja genau. Mit anderen Worten, ich habe deine Träume geträumt und du meine. Wir haben bereits unterbewusst kommuniziert. Vielleicht sollten wir das austesten. ” zwinkerte sie mir zu. Ich sah sie an und dachte ohne es zu wollen ‘hmm vielleicht sollte ich mir die Haare auch mal färben, das sieht echt gut aus’, ich schmunzelte und dachte zurück ‘ich sollte mir meine Haare echt mal wieder wachsen lassen, sie ist so sexy’. Dann brachen wir beide in schallendes Gelächter aus und die anderen starrten uns an wie 2 Irre. 

‘Oh Mann 2 von der Sorte, unsere Männer können einem Leid tun’ dachte ich in ihre Richtung.

Auf einmal höre ich sie denken ‘ach ich weiß nicht, vielleicht fänden sie es auch ganz prickelnd, wir sollten mal heimlich tauschen wie Zwillinge’ und wieder lachten wir.

“So aber jetzt mal im Ernst, ich weiß bei euch herrscht noch Stillschweigen, aber bei uns ist es bereits öffentlich. Ich kann dich also mal mit nehmen und meinem Mann vorstellen.” bot mir Lilith an. 

Da konnte ich schlecht nein sagen, aber bevor sie es versehentlich aus meinen Gedanken erfuhr, sagte ich ihr direkt, “okay aber ich muss dich warnen. Ich habe das Pendant deines Mannes lange geliebt, ehe ich ihn mir aus dem Kopf schlug. Ich hoffe, dass ist nicht unangenehm.”

“Ach was,” entgegnete sie fröhlich, “es hätte mich auch gewundert wenn nicht und vielleicht darf ich ja irgendwann mal deinen Mann treffen und verliebe mich auch.” lachte sie.

Puh. Okay offensichtlich war sie selbstsicher und locker drauf, was ja unter anderen Umständen auch auf mich zutraf. Also stimmte ich zu und tauschte für heute Abend Hotelbett gegen ein Gästezimmer. 

Am Abend saß ich also mit beiden zusammen auf der Couch und wir redeten über die Unterschiede in unserem Leben. Ihr Mann Chris fragte mich dann, während er einen Arm um sie gelegt hatte. “Also wie kommts dass du nicht mit meinem Ebenbild zusammen bist, ich könnte mir ja keine Welt vorstellen in der ich meine Lilith nicht habe. Was hat mein Ebenbild denn da nur falsch gemacht?” und lächelte Lilith zufrieden an, während ich mich beinahe in seinen Augen verlor und mich richtig zusammen reißen musste. Lilith ist das nicht entgangen und sie schmunzelte. 

“Also falsch gemacht hat er nichts, es war einfach der falsche Zeitpunkt als wir uns kennenlernten. Er war bereits liiert und ich hätte mich niemals dazwischen gedrängt. Eine Zeitlang war ich richtig eifersüchtig auf sie aber dann hab ich Pete getroffen und der Blitz hat eingeschlagen. Es war uns einfach nicht bestimmt. Aber ich bin mit deinem Ebenbild immer noch befreundet. “

“Naja was nicht ist kann noch werden.” grinste er mich an und ich war ihm beinahe schon verfallen. Ich kniff mich selbst kurz um mir die Absurdität der Situation ins Gedächtnis zu rufen. 
‘Hach es ist wirklich Zeit, dass ich meinen Mann wieder sehe’ dachte ich nur und Lilith schmunzelte. Ich hielt mir die Hand vor den Mund, als ob das was bringen würde und funkelte sie kurz an,” was hast alles gehört?” 

“Nur das wichtigste” lachte sie. “und ich kann dich verstehen, 2 Tage waren schon viel zu viel, hoffentlich treten eure Leute bald vor die Presse. Geheimniskrämerei bringt nicht. Die Wahrheit kommt sowieso raus. “

“Da hast du recht. Aber das mit der Gedankenübertragung, sollten wir echt mal unseren Vorgesetzten erzählen. Wir sind sicher nicht die einzigen. Ach ja, apropos Gedankenübertragung. Mein Teamleiter Flo ist neugierig und da er bei euch nicht Teamleiter ist, soll ich mach raus finden was sein Ebenbild so treibt, hier das ist er, kennst du ihn?”

Ich zeigte ihr ein Bild vom Team und deutete auf Flo. 

“Ach der ja, denn kenn ich. Ob die beiden auch voneinander träumen? Na egal falls nicht sag ihm er ist eine ganz große Nummer,” und zwinkerte mich an,” er ist nämlich der Professor für Quantenphysik von dem ich dir heute Mittag erzählt habe.”

“Haha na wenn sich die Hirne der beiden verschränken, kann er sich das Studium sparen und direkt promovieren.” und musste herzhaft lachen.

Ich bin ja neugierig wie Flo darauf reagiert. Egal ob sein Ebenbild schlechter oder besser ist, ich wusste es würde ihn ein bisschen in seiner Eitelkeit kränken. Aber das war ja mal richtig lecker.

Ich freute mich schon ihm davon zu erzählen. 

Wir plauderten noch eine ganze Weile und als es spät wurde zog ich mich ins Gästezimmer zurück und schlief recht schnell ein. Meine Träume gaben mir einen kleinen Wink darauf was Lilith und Chris noch getrieben haben 😉

Langsam wohnte ich quasi bei Lilith und Chris. Ich durfte immer noch nicht nach Hause. Also war es besser als Hotel. Richtiges Essen, dampfen im Zimmer und normale Klamotten am Abend tragen, machten die Situation erträglicher. Also blieb ich dort, auch an meinen freien Tagen. 

Aber ich war trotz Gesellschaft sehr einsam geworden. Ich konnte weiterhin videochatten, aber das ersetzte es eben auch nicht.

Heute war es besonders schlimm. Ich hatte mitten in der Woche frei weil wir das ganze Wochenende durchgearbeitet hatten um das Portal zu stabilisieren, was uns gestern schließlich auch geglückt war. Aber nun sitze ich hier, mein Mann ist nicht erreichbar, weil er selbst arbeiten ist und ich weiß nichts mehr mit mir anzufangen. 

Lilith ist arbeiten und auch gerade nicht zu einem telepathischen Plausch aufgelegt.

Also sitze ich nur im Wohnzimmer auf der Couch und scrolle durch mein Handy als Chris nach Hause kommt. ‘Chris und Christine’ dachte ich nur und musste schmunzeln. Er hatte ja in meiner Welt einen anderen Namen. 

Er lächelt mich an und fragt:” Was ist so lustig?”

“Ach nichts. Ich musste nur über die Unterschiede nachdenken. Dein Name zum Beispiel. Er hätte gut zu meinem gepasst .” zwinkerte ich ihn an und verbarg meine Unsicherheit. 

Nun musste er auch schmunzeln. 

“Und was machst du heute noch. Du hast doch frei?” fragt er nach.

“Ach keine Ahnung. Ich habe kein Geld für eure Welt und nur spazieren wäre auch langweilig und alleine auch zu gefährlich denke. “

“Ach Quatsch, ich weiß nicht wie es bei euch ist, aber wir leben in einer guten Gegend hier. Du kannst jederzeit los. Aber das mit dem Geld ist natürlich ein Problem. Weißt du was, ich bin für heute fertig und Lil kommt erst am Abend nach Hause. Lass uns doch was unternehmen. Vielleicht finden wir ja was, was du noch nicht kennst.” forderte er mich auf und streckte mir die Hand entgegen. Ich blickte ihn an und auf meine fast leere E-Zigarette und entgegnete ihm ” ich hoffe es gibt Vapeshops bei euch. Ich brauche Sprit 😉 “

Also nahm er mich mit in die Stadt und ich zeigte ihm hier und da Läden die bei uns nicht an dieser Stelle stehen und erzählte ihm ein bisschen aus meinem Leben. 

Bei einem Starbucks holten wir uns einen großen Kaffee und setzten uns in den Park. Die Sonne schien und es hatte angenehme 25 Grad. Meine Dampfe war inzwischen nachgefüllt und ich lehnte mich zurück und blickte die Menschen an. 

“Die Menschen hier sind anders als bei uns, weißt du? Sie wirkten nicht so abgehetzt und zufriedener. Woran liegt das?” schaute ich ihn fragend an.

“Ich weiß nicht, wir waren schon immer so. Es gibt ja keinen Grund unzufrieden zu sein. Es fehlt uns an nichts. Aber es war früher schon anders. Das weiß ich aus Erzählungen meiner Großeltern. Nach dem 3. Weltkrieg hat sich aber alles verändert. Plötzlich war Geld und Macht nicht mehr wichtig. Und seither ging es immer bergauf mit unserer Gesellschaft. Wie war es denn bei euch?”

Mit offenem Mund starrte ich ihn an. “Es gab einen 3. Weltkrieg bei euch?” was ihn wiederum verwunderte. “Bei euch denn nicht? Russland und Amerika konnte es einfach nicht lassen und so brav 1966 der 3. große Krieg über uns herein, kaum dass sich die Gesellschaft vom 2. erholen konnte. Aber damit hat sich alles geändert. Immer mehr Menschen weigerten sich zu kämpfen. Die am Krieg beteiligten Regierungen wurden schließlich vom Volk gestürzt und der Krieg war einfach zu Ende. Gemeinsam haben wir alles wieder aufgebaut. Niemanden hat Profit interessiert. Und so hatten alle einen sauberen Neustart. Das ganze hat sich auch auf die 3. Welt ausgewirkt auch diese wurden plötzlich unterstützt ohne das jemand eine Gegenleistung erwartete. Und so kam es schließlich zum endgültigen Frieden. “

Ich war baff. Uns stand es noch bevor. Es gab so viele Kriege auf unserer Welt. Und immer genug die bereit waren für eine dumme Ideologie zu sterben und zu töten. Wir waren weit entfernt von Frieden. Deshalb sollte auch niemand vom Portal erfahren. Was das erst auslösen würde. 

Aber jetzt frage ich mich ob wir nicht daraus lernen könnten. Dann müsste ich nicht einsam in einer fremden Welt sitzen. In dem Moment überkamen mich die Tränen. 

Chris zögerte nicht und zog mich in seine Arme. Als ich keine Tränen mehr hatte, nahm er mein Kinn und drehte mein Gesicht zu ihm. Er wischte mir die Tränen von den verquollenen Augen und plötzlich küsste er mich. Es war schön und verwirrend zugleich. Einerseits erfüllte sich ein alter Wunsch von mir, aber andererseits war er nicht der Mann den ich damals liebte und auch nicht der den ich jetzt liebe. Der wartet zu Hause auf mich und ist sicher genauso einsam wie ich und weiß nicht mal wo ich gerade bin. Ich drückte ihn von mir und sah ihm lange in die Augen. Ich konnte sein Verlangen sein und auch ich war gerade zu ausgehungert. Ich weiß nicht was ich dachte oder ob ich überhaupt dachte. Aber ich küsste ihn leidenschaftlich und versank in seinen Armen. Die Einsamkeit wurde aus meinem Kopf verdrängt.  Wir gingen zurück in die Wohnung und direkt ins Gästezimmer wo ich ihn aufs Bett zog. Mein Körper schrie nach seinen Berührungen doch ich wollte und konnte es Lilith nicht antun. Wir lagen nebeneinander und sahen uns nur an. 

“Ich bin nicht sie, weißt du?” kam es plötzlich aus meinem Mund. ” Du liebst sie doch oder?”

Die Leidenschaft war verflogen und er schaute mich nachdenklich an. “Ja das tue ich sagte er schließlich. Aber dich liebe ich auch obwohl oder gerade weil du anders bist. Aber ich kann verstehen wenn du nichts überstürzen willst. Wer weiß wie sich die Dinge entwickeln. “

Dann zog er mich in seine Arme und streichelte mir nur tröstend über den Kopf. Ich war noch nie emotional so verwirrt. Aber es war einfach nur schön in seinen Armen zu liegen, wie ich es sonst mit meinem Mann tat. Trotzdem wurde mir klar, dass es besser war zurück zu gehen und im Hotel zu bleiben bis wir endlich wieder die Freigabe hatten. 

Also genoss ich die Nähe noch ein wenig, aber als ich hörte, dass Lilith nach Hause kam raffte ich mich auf und fing an meine Sachen zu packen. Chris verstand mich ohne Worte ganz ohne Telepathie. Es war schon seltsam. Er nahm dann den Koffer und trug ihn für mich die Treppen runter wo Lilith mich verwundert anblickte. 

“Ich gehe zurück” sagte ich nur leise. “ich habe eure Gastfreundschaft lange genug strapaziert und ich weiß nicht was ich tun muss, aber ich will zu meinem Mann nach Hause. “

Lilith blickte mich verständnisvoll an, es war als hätte sie alles mitbekommen was mir heute durch den Kopf ging und wüsste genau was passiert war, aber sie war mir nicht böse.

Ich umarmte sie und flüsterte “auf Wiedersehen, Schwester”.

Nun kamen ihr die Tränen. Aber genauso fühlte es sich an. Wir waren wie Zwillinge geworden. Aber nun war es Zeit etwas zu unternehmen. Wir konnten nicht ewig wie Sklaven arbeiten ohne unsere Familien zu sehen. 

Ich trat mit meinem Gepäck durch das Portal, wo mich Flo freudig in Empfang nahm.

Wir hatten uns eine Woche weder gesehen noch gesprochen. 

“Christine!” glänzten seine Augen “Wie geht es dir? Ihr habt gute Arbeit geleistet.”

“Danke Flo. Ja es geht mir gut, aber sag gibt es was neues, können wir endlich wieder nach Hause?” sah ich ihn flehend an.

“Leider nicht, das Militär hält weiterhin alles unter Verschluss, alles ist abgeriegelt. Ich wünschte ich hätte bessere Neuigkeiten.”

“Tja ich habe bessere Neuigkeiten. Ich habe vielleicht eine Lösung, wobei dem Militär wird sie definitiv nicht gefallen. “

Flo sah mich neugierig an und ich weihte ihn in meinen Plan ein. Die Friedensbewegung in der anderen Welt hatte mich inspiriert. 

“Ganz schön riskant, “meinte Flo nach meinen Ausführungen ” wenn das schief geht, landen wir alles im Gefängnis.” doch ich beruhigte ihn, ” es wird nicht schief gehen, wenn alle mit machen und ich denke alle wollen zurück nach Hause, also wirds funktionieren. Trommel das Team im Pausenraum zusammen. Wir müssen handeln bevor das Militär etwas merkt.”

1 Stunde später standen wir im Pausenraum und ich erläuterte meinen Plan. 

Mit unseren Handys bewaffnet machen wir uns alle auf den Weg zum Portal. Die 2 Militärs guckten nicht schlecht als ihnen eine Gruppe aus gut 100 Leuten entgegen kam und hatte keine Wahl als uns durch zu lassen. 

Drüben erwartete mich bereits Lilith mit einer ebenso großen Gruppe. Ich hatte unsere Verbindung genutzt um sie in den Plan einzuweihen. 

Alle trafen sich mit ihren Pendants und begannen damit Fotos und Videos von sich und dem Portal zu machen. Dann fügten wir alles zusammen und ich sprach noch einen Text dazu ein, der erklärte was im CERN passiert war. 

Da wir das Video nur in unserer Welt hochladen konnten mussten wir es nur noch aus dem Gelände schmuggeln. Da kam Flo ins Spiel. Er war der einzige der raus durfte um Sachen für uns zu holen. Also schickte er den Stick an Chris Pendant Jeff, der ebenfalls Reporter war. 

Es dauerte nur wenige Tage, bis der General des Militärs zu uns kam und uns darüber in Kenntnis setzte, dass das Geheimnis gelüftet wurde und er weiß dass wir alle da mit drinnen stecken. Aber das war uns egal. Denn er hatte keine Wahl mehr. Da sich die Reporter vor dem Gelände gerade zu auftürmten. Durch die Videocalls wusste ich, dass unser Plan funktioniert hatte.

Die Menschen waren begeistert von dem Wissen um die Parallelwelt aber entsetzt, dass wir die ganze Zeit gegen unseren Willen festgehalten wurden. 

Und so wurden wir offiziell von unserer Stillschweigevereinbarung entbunden und durften endlich nach Hause fahren. Viele unserer Angehörigen waren bereits neben den Reportern an den Toren und gaben wütende Interviews, was die Sache so sehr angeheizt hatte, dass der General wohl mächtig Ärger bekommen hatte.

Als ich auf den Zaun zu lief, sah ich bereits meinen Mann der ebenso dort mit den anderen stand und lief umso schneller auf das Tor zu. Alle Menschen vor dem Tor bildeten eine Schneise um uns durch zu lassen. 

Ich lief auf meinen Mann zu und fiel ihm glücklich um den Hals. 

Beide hatten wir Tränen in den Augen und ich spürte wieder, dass er es ist den ich brauchte, egal wie sich andere Realitäten entwickelt hatten. 

“Du hast mir sicher einiges zu erzählen” sagte er glücklich. 

“Später.” grinste ich ihn frech an und zog ihn ins Auto um schnellst möglich nach Hause zu kommen. 

Ich würde ihm noch so einiges erzählen müssen. Aber jetzt war ich nur glücklich zu Hause zu sein und zog ihn mit ins Schlafzimmer um endlich mein Verlangen zu stillen. 

Als wir dann völlig außer Atem nebeneinander lagen, nahm ich nur kurz mein Handy und schrieb an Flo :” ich nehme jetzt erst mal Urlaub 😉 “

“das will ich dir auch raten du Teufelsweib. Soll doch das Militär den Laden am laufen halten, ich bin bei meiner Familie und da bleib ich auch erst mal ;-)” kam es kurz darauf zurück. 

Ich musste lachen und schlang meine Arme um den Hals meines Mannes.

“Weißt du Schatz, ich hab dir jede Menge zu erzählen, aber das wichtigste kommt zuerst. Ich liebe dich und ich will nie wieder so lange von dir getrennt sein.”

Er küsste mich innig und ich versank in seinen Armen. 

Es brauchte offenbar erst einen Supergau und ein Portal in eine Parallelwelt damit ich erkannte, dass ich immer schon den Richtigen hatte. Danke Multiversum. Danke.

ENDE

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