man in blue and brown floral shirt

Der Vampirismus bezeichnet grundsätzlich eine Affinität zum Blutsaugen – in Literatur und Historie meist wörtlich gemeint, aber auch im übertragenen Sinne zu verstehen: als das Gewinnen von (meist überirdischer) Stärke durch das Absaugen fremder Energien.

Das ist es also was die Literatur über uns sagt. Mein Name ist Michael und ich erzähle euch etwas über echte Vampire. Geboren wurde ich nach heutiger Zeitrechnung im Jahr 1264 n. Chr. ich bin also 757 Jahre alt, den Tag kann ich nicht mehr berechnen aber nach so vielen Jahren auf der Erde feiert man keinen Geburtstag mehr. Mein menschliches Alter, also das Alter in dem ich zum Vampir wurde ist 42, aber ich sehe wohl eher aus wie 35 (ja wir können auch eitel sein). 

Wie die Vampire tatsächlich entstanden sind, kann ich euch auch nicht sagen. Ein Urvampir ist mir nie begegnet, keiner weiß ob es diese noch gibt oder ob unsere Lebensspanne vielleicht doch irgendwann endet und diese einfach gestorben sind. Es gibt unter unserer Art auch Gerüchte, dass wir eine Evolution durchgemacht hätten und die ersten Vampire nicht älter wurden als die Menschen von heute, was auch schon alt war, denn zu deren Zeit wurden die Menschen maximal 30 wenn sie Glück hatten.

Ich kann euch nur sagen, wie ich zum Vampir wurde, auch wenn es recht unspektakulär war. Ich bin in einem kleinen Dorf aufgewachsen, hatte bereits Kinder und Enkelkinder, als ich eines Nachts überfallen wurde. Ja so banal ist es, ich wurde von einem Vampir überfallen. Er saugte mich aus und wie ich später erfuhr gab er mir offenbar auch sein Blut zum Trinken und so wurde ich ein Vampir. Viel mehr weiß ich von ihm nicht, er hatte mich offenbar nur in einem Akt der Verzweiflung erschaffen und hinterließ ein kleines Vermögen und ein Tagebuch. In diesem Tagebuch erfuhr ich von seinem Leben als Vampir und wie trostlos es über die Jahrhunderte geworden ist. Die letzten Seiten waren an mich gerichtet, nicht persönlich nur an seinen Nachfolger. Sie enthielten ein paar wichtige Informationen, damit ich mich als Vampir in meinem neuen Leben zurecht fand. Dafür war ich dankbar, denn wie ich später erfuhr haben viele meiner Artgenossen in ihrem ersten Blutrausch oft genau die, die sie am meisten liebten getötet. Mir ist das nicht passiert. Ich konnte zu meiner Familie zurückkehren, wenn auch nicht für lange, schließlich muss ich mich auch irgendwie ernähren und die Angst vor dem Tod schlich durchs Dorf, sie ahnten nicht dass ich es war, aber ich konnte sie auch nicht in dieser Angst leben lassen. So beschloss ich dass es das beste war, sie zu verlassen. 

Meine Familie kannte mein Geheimnis und war mir daher auch nicht böse. Ich zog also aus in die Städte, die damals noch nicht so zahlreich gesät waren, aber vor allem in der Nähe großer Häfen konnte ich immer gut leben und unerkannt bleiben.

Ich nahm mir mit dem Geld meiner Opfer immer ein Zimmer in einer Pension, gab mich als Erfinder oder Schriftsteller oder anderer Künstler aus, damit die Leute nicht misstrauisch wurden. Man nahm immer an ich hätte einen Mäzen der mich aushielt. 

Im Laufe der Jahrhunderte musste ich mich immer weniger verstecken, weil die Menschen immer desinteressierter wurden. Besonders im 20. Jahrhundert als die industrielle Revolution begann hatte ich ein angenehmes Leben und für Vampirverhältnisse konnte es nur besser werden.  Ich lebte nach einem Kodex, den ich meiner Familie verdanke. Nur schlechte Menschen wurden meine Mahlzeit, gab es keinen der den Tod verdiente, so musste ich mich auch mal mit Tieren über Durststrecken retten, aber es gab fast immer jemanden, der es verdiente, auch wenn dieser es nicht so sah und so lebte ich dahin, bis ins Jahr 2021, traf immer wieder auf andere meiner Art, die mir die Zeit vertrieben und war dann wieder alleine. Bis zu jenem Tag….


Man sollte meinen die Menschen hätten sich in den letzten 757 Jahren weiterentwickelt, aber manches änderte sich nie. Manche Menschen verhielten sich wie Raubtiere. Meistens waren es Männer, die nachts Frauen auflauerten, die alleine und bereits verängstigt auf dem Heimweg waren. Diese Männer waren meine bevorzugte Beute, auch wenn ich meist nicht eingriff um mich nicht zu enttarnen, so schnappte ich nach ihrem Raubzug zu und ernährte mich von ihrem Blut. Eine praktische Fähigkeit, die wir als Vampire hatten war die Telepathie, allerdings hatten wir diese Fähigkeit nur wenn wir unsere Opfer gerade aussaugten. 

Früher musste ich meine Opfer ausrauben um Geld für mein Zimmer oder Appartement zu bekommen, heute holte ich mir PIN Codes und Bitcoinkonten aus ihren letzten Gedanken (selbst schuld wer nur an Geld denken kann).

Dadurch hatte ich geradezu ein luxuriöses wenn auch ödes Leben, einen Teil meiner “Einnahmen” spendete ich sogar an die Opferhilfe, für die Opfer meiner Opfer, denn wie gesagt ich konnte nicht eingreifen, dachte ich zumindest, bis ich sie sah.

Sie ging völlig entspannt die Straße entlang obwohl es schon dunkel war, sie schien sich nicht zu fürchten, dass ihr was passiert. Töricht, aber auch beeindruckend. Und da war auch schon mein Opfer, ein Mann mittleren Alters, den wohl keine Frau freiwillig anfasst, hatte sich an ihre Fersen geheftet, ich konnte nicht sagen ob sie es einfach nicht bemerkt hatte oder ob sie sich nicht fürchtete, doch ich wusste genau was als nächstes passierte. 

“Hey Süße, Bock auf ein bisschen Spaß” rief er ihr zu. 

Sie drehte sich nur kurz um und meinte : ” Nicht mit dir, nein danke.” und ging einfach weiter. Ich war verblüfft, war sie sich bewusst in welcher Gefahr sie schwebte. Ich konnte ihren Herzschlag hören und er war noch völlig normal. 

Was der Typ als nächstes sagte werde ich lieber nicht wiederholen, jedenfalls hat er sein Todesurteil damit schon bestätigt. Aber sie, sie ließ das nicht so einfach auf sich beruhen. Sie machte auf dem Absatz kehrt und stürmte auf ihn zu und beschimpfte ihn ebenfalls mit Ausdrücken, die ich nicht wiederholen möchte, einige davon kannte ich noch gar nicht.

Leider war genau das auch ihr Fehler, sie war sich ihrer Umgebung nicht voll bewusst. Sie standen genau vor einem Hauseingang und er grinste sie nur dümmlich an und packte sie am Arm und schlief sie in den Hof des Hauses. Ich war ihnen die ganze Zeit auf den Fersen, ich wollte meine Beute nicht aus den Augen lassen. 

Klar wollte er sich an ihr vergehen und hatte bereits seine Hand an ihrer Hose. Jetzt konnte ich ihren Herzschlag deutlich vernehmen. Sie schrie, schlug und trat auf ihn ein, sie biss ihn sogar in die Hand als er ihr den Mund zu halten wollte. “hey das Beißen kannst du mir überlassen, dachte ich mir und musste schmunzeln.” Die meisten Frauen hätten an dieser Stelle längst aufgegeben und es hinter sich gebracht. Aber sie nicht, sie war eine Kämpferin, nur leider hatte sie keine Chance. Sie griff nach ihrem Handy, aber das hatte er ihr schneller abgenommen also sie den Notruf hätte wählen können. Ich weiß nicht wieso, aber ich konnte es einfach nicht mit ansehen wie sie langsam und verzweifelt gegen ihn verlor. Also machte ich mich erstmal laut bemerkbar.

“Was geht hier vor?” hallte meine Stimme durch den Hof.

“Nichts was dich zu interessieren hat.” meinte Beute und deutete mir mich zu verziehen. 

“So nicht Freundchen” sagte ich nur mit einem breiten Grinsen packte ihn am Kragen und zog ihn schnell nach draußen und hinter die Mülltonnen, ich riskierte einfach dass sie mir vielleicht nachging und es sieht, aber das war mir in dem Moment egal. Ich saugte ihn aus, nahm das Handy aus seiner Tasche und warf seinen toten Körper in den Mülleimer.

Dann schaute ich mich um, sie war mir nicht gefolgt, aber ich konnte sie weinen hören. Ich ging zurück in den Innenhof und da kauerte sie und weinte. Sie hatte wirklich tapfer gekämpft und wollte keine Schwäche zeigen. Aber nun war sie offensichtlich am Ende. Sie erschrak als ich auf sie zu kam doch erkannte, dass ich nicht ihr Peiniger sondern ihr Retter war und rappelte sich wieder auf. Ihre Kleidung war teilweise zerrissen also gab ich ihr meine Jacke, die sie dankbar annahm. Dann reichte ich ihr ein Taschentuch und ihr Handy. 

“Danke” flüsterte sie mit zittriger Stimme und trocknete ihre Tränen. “Ist er weg?” fragte sie nach. 

“Ja keine Sorge, der kommt nicht wieder” entgegnete ich und musste leicht schmunzeln, was ich mir aber angesichts ihrer Angst gleich wieder aus dem Gesicht wischte. 

“Soll ich dich nach Hause bringen?” fragte ich. Das hatte ich wahrlich noch nie gemacht, nicht dass ich kein Gentlemen sein konnte, ich mischte mich nur nie in die Belange der Menschen ein.

“Ja bitte, es ist nicht mehr weit” sagte sie und nahm meine Hand. “Danke” sagte sie nun mit deutlich mehr Nachdruck und zog mich auf die Straße in ihre Richtung. Ihr Herzschlag hatte sich beruhigt, sie hat sich erstaunlich schnell gefangen, dachte ich mir als ich so neben ihr ging. Sollte ich jetzt Smalltalk machen? Ich war verwirrt, was war nur an ihr?

Zum Smalltalk kam ich nicht mehr. “Hier bin ich zuhause.” sagte sie nach einer kurzen Strecke. Kaum zu glauben, dass sie nur wenige Meter von ihrem sicheren Zuhause entfernt so böse überfallen wurde.

“Ich bin übrigens Lizzy.” riss sie mich aus meinen Gedanken. 
“Michael” antwortete ich. 
“Ah also bist du tatsächlich ein Engel.” lachte sie.
“Wie bitte?”
“Naja du bist heute mein Schutzengel gewesen und Michael ist doch der Name eines Engels. Ach vergiss es. Ich bin ziemlich durch den Wind.” winkte sie ab.
“Ich finde du hast dich ziemlich gut gefangen. Ist dir sowas schon mal passiert?”
“Oh Gott nein und hoffentlich passiert es auch nie wieder.”
“Ja das will ich auch hoffen, ich habe noch andere Schützlinge und kann nicht immer auf dich aufpassen. ” sagte ich und zwinkerte ihr zu. Ich zwinkere einer Menschenfrau zu. Was ist denn nur los mit mir? 

Aber sie nahm es offensichtlich mit Humor. 

Sie gab mir einen Kuss auf die Wange und hauchte mir noch ein letztes Danke ins Ohr bevor sie in der Tür verschwand. 

Wow. Einfach nur Wow.


Ich blieb den Rest der Nacht noch in der Nähe. Ich lauschte was sich drinnen abspielte.

Sie erzählte ihrem Mann was passiert war, dieser ist zu Recht ausgerastet und ihr direkt um den Hals gefallen.

Und diese unglaubliche Frau beruhigte dann noch ihn.

“Also halb so schlimm” hörte ich sie sagen, “da war dieser Mann, der zeigte Zivilcourage und hat sich den Kerl geschnappt. Oh Gott die Jacke. Die hätte ich ihm zurück geben sollen. “
Wie süß, dachte ich, mir wurde ja nicht kalt, ich trug die Jacke nur um nicht aufzufallen. Und wie ich weiter lauschte, gefiel ihr die Jacke sogar Recht gut, also warum sollte sie nicht einfach behalten. Am folgenden Morgen war ich immer noch in der Gegend nur etwas versteckter in den Büschen, ich musste wie ein irrer Stalker ausgesehen haben. Aber ich wollte sehen wohin sie geht. Also folgte ich ihr unauffällig bis zu ihrem Arbeitsplatz. Es war einer dieser neumodischen Vapeshops. Als sie dort angekommen war, ging ich erst nach Hause. Ich wusste ja nun wo ich sie fand.

Zuhause angekommen verwertete ich erstmal die Informationen, die ich meinem Opfer letzte Nacht ausgesaugt hatte. Ich loggte mich über einen geschützten nicht nachverfolgbaren Zugang in das Online-Banking meines Opfers ein und überwies sein Geld auf mein Cryptokonto.

Dann suchte ich den Vapeshop wo sie arbeitete und sah mir ihr Foto und ihre kurze Vorstellung an.

Das Foto war schon etwas älter, sie war wohl schon länger dabei. Sie hatte süße blonde Haare und blaue Augen.

Mit ihrem Namen fand ich dann auch weitere Informationen im Internet und landete auf ihrem Blog. Gefesselt las ich alle Einträge. Diese Frau hatte wirklich Feuer. Sie brannte fürs Vapen und war engagiert gegen Diskriminierung der LGBTQIA+ Community und noch so vieles mehr. Gedanklich hing ich an ihren Lippen während ich las, hörte ich ihre Stimme in meinem Kopf, wie sie feurige Reden für Gerechtigkeit hielt.

In der kommenden Nacht verzichtete auf die Jagd, denn ich wollte nicht aufhören zu lesen. Ich las über 300 Beiträge in jener Nacht und dann war ich noch auf ihrem Instagram Account und schaute die Fotos durch. Sie war wirklich der interessanteste Mensch, der mir in hunderten von Jahren unterkam.

Am nächsten Morgen fuhr ich zu dem Shop und beobachtete sie wieder. Sie war leidenschaftlich bei der Arbeit und hatte viel Spaß mit ihren Kollegen. Als der Abend kam und sie abschloss, hörte ich laute Musik losgehen und sie tanzte durch den ganzen Laden während sie aufräumte. Es war ihr offensichtlich egal was andere von ihr hielten, man konnte durch das Licht im Laden sehr gut hineinsehen. Draußen war es schon dunkel und ich stand schon nah an den Fenstern, ich wusste, dass sie mich nicht sehen konnte.

Irgendwann verschwand sie aus meinem Blickfeld und das Licht ging aus. Eh ich mich versah stand sie plötzlich neben mir und strahlte.

“Da ist ja mein Engel, heute niemand anderes zum Schützen ?”

Ich erschrak und fuhr herum.

“Ähm nein, heute gehöre ich ganz dir.” stotterte ich verdattert, was hatte ich da gerade gesagt und warum? Aber sie lächelte nur und packte mich am Arm, sie hatte meine Jacke an und als sie merkte, dass ich es merkte, meinte sie nur. “Oh deine Jacke, wenn du sie wieder willst musst du mich nach Hause bringen, es ist zu kalt um ohne Jacke nach Hause zu gehen.”

“Oh nein nein, behalt sie nur, aber nach Hause bringe ich dich trotzdem gerne.” Und deutete auf mein Auto an der Ecke.

“Okay gerne.” und hakte sich bei mir unter. Vertraute sie mir wirklich so sehr? Nach dem was gestern Nacht passiert war konnte sie kaum so naiv sein.

Als sie dann im Auto neben mir saß zog sie mein Handy, besser eins meiner Handys aus der Jackentasche.

“Ich dachte mir du brauchst das vielleicht noch.”

Ich lachte und nahm es wieder an mich, auf dem Bildschirm sah ich eine Nachricht. “Hi ich bin Lizzy ;)” stand da in einer WhatsApp.

“Oh, danke. “

“Gerne, dann kannst du mir mal schreiben und musst mich nicht den ganzen Tag beobachten” neckte sie mich.

Sie hatte mich bemerkt, wie konnte sie mich bemerken? Und warum hielt sie mich nicht für einen Stalker und stieg noch zu mir ins Auto?

“Kannst du dir vorstellen, dass jemand alle Beiträge auf meinem Blog gelesen hat. Meine Statistik ist völlig ausgerastet, normalerweise liest das nämlich keiner. “

Ok offensichtlich war ich nicht so unauffällig wie ich dachte. Ihr war offensichtlich ganz klar, dass ich das war. Also hatte es keinen Zweck zu leugnen.

“Du vertrittst sehr interessante Ansichten” gab ich zu der Leser zu sein.

“Danke, und da du jetzt schon so viel über mich weißt, erzähl Mal, was macht ein Schutzengel so den Tag über, womit bezahlst du deine Miete oder wohnst du mietfrei im Himmel ;)”

Haha, sie war einfach zu süß. Ich und ein Engel. Die Wahrheit könnte nicht weiter entfernt sein. Aber für sie nahm ich die Rolle gerne an.

“Ich bin auf der Suche nach menschlichen Engeln.” gab ich ihr ein deutliches Kompliment zurück, “aber mein Geld verdiene ich mir Cryptowährungen.”

Das Kompliment kam an und ihr Herzschlag erhöhte sich.

“Ach das mit diesen Bitcoins habe ich nie verstanden, warum sind die soviel wert, wofür braucht man die? “

“Das kann ich dir ehrlich gesagt auch nicht beantworten, aber mit ein bisschen Gespür ist es wie mit Aktien, einfach nur im richtigen Moment kaufen und verkaufen und schon führt man ein sorgenfreies Leben.”

Sie gab sich mit der Antwort zufrieden. Und lehnte sich zurück.

Die Fahrt dauerte nicht lange und wir standen vor ihrem Haus. Ich schaute sie lange und intensiv an.

Da platzte es aus ihr heraus. “Also wenn du mich jetzt nicht küssen willst oder so, dann ist das ziemlich creepy.” und sie lachte.

Es war offensichtlich ein Witz, aber denn würde ich einfach nutzen. Ich würde ja sehen was passiert. Also beugte ich mich ganz nah zu ihr und spürte ihren Atem und wie ihr Herz klopfte.

Machte ich ihr gerade Angst? Oh Gott wie dumm von mir. Sie hatte so viel durch gemacht und ich mach einen auf mysteriöser Fremder. Sie konnte ja nur Angst bekommen.

Auf einmal spürte ich ihre Lippen auf meinen. Das war keine Angst. Sie war offensichtlich genauso erregt wie ich. Vielleicht sogar noch mehr. Eh ich mich versah war sie zu mir rüber gekrabbelt und saß auf mir.

“Was ist mit deinem Mann?” murmelte ich.

“Du weißt so viel und doch so wenig.” flüsterte sie mir zu und griff unter mich. Der Sitze klappte nach hinten und ich lag unter ihr. Wurde ich gerade zur Beute? Ach egal. Ich packte sie und rollte mit ihr auf die geräumige Rückbank. Wir waren wie zwei wilde Tiere und ich dachte wirklich es kommt gleich zum äußerten. Als ich ihre Hose öffnen wollte stoppte sie jedoch.

“Hey hey hey, Engel machen es nicht auf dem Rücksitz und schon gar nicht ohne Schutz. Ich will ja keine kleinen Engelchen haben.” lachte sie.

Langsam raffte sie sich wieder auf und rutschte aus der hinteren aus dem Auto. Ich blieb verdattert liegen.

“Danke fürs nach Hause bringen, ruf mich an, wenn du mehr willst, ich würde ja gerne Mal sehen wie ein Bitcoin handelnder Engel so wohnt.”

Und schon war sie dahin und ich lag da und musste erst kapieren was gerade passiert war, ehe ich wieder auf den Vordersitz rutschte und losfuhr. Ich blickte auf das Handy mit der Nachricht.

“Hi Lizzy, hier ist Michael. Darf ich dich morgen zum Essen einladen?” schrieb ich ihr.

Wenig später folgte die Antwort. “Gerne hol mich um 7 ab und übrigens ich bin Veganerin ich bringe was mit ;)”

Wow. Einfach wow. Lizzy was machst du mit mir?


Oh Mann, wer hätte gedacht dass ein Vampir tagsüber in den Supermarkt muss.
Das Lizzy sich quasi selbst zu mir eingeladen hatte, brachte mich in Bedrängnis. Mein Appartement hatte zwar eine Küche aber die habe ich noch nie benutzt. Dementsprechend waren auch alle Schränke leer.

Ich musste das jetzt zu meinem Vorteil nutzen. Wenn sie schon sagt, dass sie Veganerin ist konnte ich meine Küche ja dementsprechend ausstatten. Also jede Menge frisches Obst und Gemüse für den Kühlschrank und Gewürze und vegane Backmischungen.

Ob wohl auffällt, dass ich noch nie gekocht habe. 

Ein Bluttrinker und eine Veganerin, was für eine Kombination. Was für ein Aufwand?! 
Wieso war es mir so wichtig was sie von mir hielt? Ich meine ja ich war nach letzter Nacht definitiv scharf auf sie, aber wenn ich so auf meinen Einkaufswagen schaue könnte sie auch direkt bei mir einziehen.  

Ich hatte alles verstaut, alles ein bisschen einladend dekoriert und machte mich auf den Weg um sie abzuholen. Pünktlich um 7h stand ich vor ihrer Tür und sie wartet bereits mit einer Einkaufstüte unter dem Arm. 

Ich verstaute die Tasche auf dem Rücksitz und wir fuhren los. 

“Und was hast du heute geplant”, fragte ich neugierig?

“Schon mal vegane Pizza gegessen?” diese Frage konnte ich ungelogen verneinen. Pizza gabs zu meiner Lebenszeit noch gar nicht, aber das verschwieg ich besser. 

“Na dann wirds Zeit, es gibt nichts besseres. Ich hoffe du hast nichts gegen Knoblauch?” 

Bei der Frage musste ich unweigerlich lachen und sagte nur: ” Natürlich ich bin nämlich ein Vampir kein Engel. ” Was wiederum sie in schallendes Gelächter ausbrechen lies. Natürlich hatte ich nichts gegen Knoblauch, ich aß nicht und daher auch keinen Knoblauch, aber der Mythos man könne damit Vampire abwehren ist eben nur ein Mythos. Im Gegenteil, ich schmecke den Unterschied im Blut und eigentlich gab es dem Ganzen sogar eine gewisse Würze ;-).

In meinem Appartement angekommen staunte sie nicht schlecht. “Was auch immer du mit diesen Bitcoins machst, du machst es eindeutig richtig.” beglückwünschte sie mich zu meinem Penthouse. “Gibts eine Führung?” 

Also führte ich sie durch die Wohnung und sie bekam gerade zu ein Glitzern in den Augen als sie den Whirlpool sah und am Schlafzimmer angekommen, stoppte sie mich kurz und fragte leise. “Und hast du an den Schutz gedacht.” 

Haha Schutz welcher Schutz, dachte ich, Vampire brauchten keinen Schutz wir konnten niemanden schwängern und krank wurden wir auch nicht und ich Idiot hab den Zaunpfahl nicht kommen sehen und natürlich keine Kondome bei meinem Einkauf eingepackt. 

Mein verdutzter Gesichtsausdruck muss wirklich komisch ausgesehen haben, sie lachte und zog etwas aus ihrer Tasche. Sie hielt mir 3 Kondome entgegen und fragte nur verschmitzt :” Na was passendes für dich dabei, ich wüsste gerne was mich erwartet.”

“Mann” will ja nicht zu sehr angeben, aber zu klein bringt auch nichts und griff zum XL Kondom. Ein undefinierbares Grinsen entstand in ihrem Gesicht. 

“Ich geh mich mal frisch machen, warte hier” sagte sie und verschwand im Badezimmer. 

Keine Ahnung was ich erwartet hatte, jedoch als sie die Tür wieder öffnete, stand sie im Evakostüm vor mir, da gabs dann keine Hose mehr aufzuknöpfen. Sie kam direkt auf mich zu und knöpfte mein Hemd auf. Ihr Herz klopfte schnell und ihr Atem war so heiß, dass ich meinte sogar mein Herz würde sich gleich wieder in Bewegung setzen. Sie streifte mir die Kleidung ab und musterte mich sichtlich zufrieden. Während sie meinen Körper von oben bis unten mit Küssen bedeckte. Sie packte mich und zog mich aufs Bett. 

“Was ist mit dem Essen?” fragte ich noch leise. “Nachher” flüsterte sie mir zu. ” Wir werden uns stärken müssen wenn ich mit dir fertig bin.”

Ich hatte in den Jahrhunderten viele Affären und Abenteuer, meistens mit anderen Vampiren, weil Menschen nicht mit mir mithalten konnten. Aber sie war richtig hungrig auf mich und das gefiel mir. Leidenschaftlich wälzten wir uns in den Laken hin und her. Ihr Blut schien zu kochen vor Verlangen und dann im Moment des Höhepunkts konnte ich mich nicht mehr beherrschen und biss zu. Ihr Blut schmeckte so heiß und süß als es meinen Rachen hinunterglitt und sie krallte ihre Finger in meinen Rücken. Sie schien es zu genießen, was mir wahrlich noch nie untergekommen ist, doch plötzlich stockte ihr Atem, ihr Herz wurde langsamer und ihre Finger lösten sich, erschrocken kam ich zu mir und ließ von ihr ab. Hatte ich sie in meiner Leidenschaft etwa getötet. 

Ich schaute sie nur an bis sie die Augen aufschlug und nur meinte: ” Wow”

Dann verlor sie das Bewusstsein. 

Ich war verunsichert ob sie nochmal aufwachte, ich hatte keinerlei Gefühl dafür wieviel Blut ich ihr in diesem sexuell aufgeladenen Blutrausch entzogen hatte. Also deckte ich sie nur zu und legte mich neben sie. Ich lauschte ihrem nun sehr langsamen Herzschlag die ganze Nacht. Als sie sich bewegte horchte ich auf, sie schlug die Augen nur leicht auf, sah mich an und zog mich näher an sich heran und schlummerte wieder ein. Ihr Herzschlag normalisierte sich wieder und ich schlief ebenfalls beruhigt an ihrer Seite ein. 

Denn Biss könnte ich morgen schon irgendwie erklären. 


Ich hab geschlafen wie ein Toter, haha. Technisch gesehen war ich ja auch ein Toter. Aber tatsächlich habe ich schon lange nicht mehr so richtig geschlafen. 

Als ich aufwachte war das Bett neben mir leer und ich hatte bereits Panik. Ich hatte einen Fehler gemacht, man saugt nicht an einem Menschen und lässt ihn einfach wieder gehen. Doch das Klapper von Geschirr ließ mich aufhorchen.

Ich ging zur Küche und da stand sie nur in ihrem Slip und mit dem Kopf im Kühlschrank. Sie kramte Obst und Gemüse zusammen und hatte auch bereits einiges hergerichtet.

Ich wusste gar nicht was ich sagen sollte, aber schweigend hier rumstehen hilft auch nichts.

“Donnerwetter, dass ist ja mal ein Frühstück für Champions.” platzte es aus mir raus und sie drehte sich zu mir. 

“Na du Langschläfer. Ich würde dir ja auch was anbieten, aber ich hoffe irgendwie dass du noch satt von letzter Nacht bist.” sagte sich und griff sich an den Hals. Sie hatte bereits 2 Pflaster über die Bissspuren geklebt und auch das Blut das an ihrem Hals geronnen war bereits gesäubert. Ich war mehr als verwirrt über ihre Reaktion.

“Das musst du mir jetzt endlich mal erklären.” sagte ich und wusste gar nicht womit ich anfangen sollte, aber naja der Biss hatte schon mal am dringendsten Klärungsbedarf.

“Haha eigentlich solltest du mir einiges erklären oder? Du hättest mich zumindest vorwarnen können. Dann hätte ich vorher Eisentabletten geschluckt, du weißt schon die wirkend vorbeugend gegen Anämie 😉 aber dein voller Kühlschrank und Doktor Google sind auch hilfreich. Mir soll ja nicht den ganzen Tag der Kopf dröhnen. Und jetzt komm mit, ich will die Aussicht genießen. Die tolle Terrasse hast du mir gestern ja gar nicht gezeigt. Aber okay, dass war vermutlich meine Schuld.”

“Ähm vorwarnen? Hättest du mir geglaubt, wenn ich dir vorher gesagt hätte, dass ich ein Vampir bin? Und wärst du dann freiwillig hier her gekommen, abgesehen davon war das ein Versehen. Ich hab vielleicht ein bisschen die Beherrschung verloren.”

“Hmm gute Frage, geglaubt hätte ich dir vielleicht nicht direkt, andererseits war der Typ neulich sicher doppelt so schwer wie du und du hast ihn quasi mit dem kleinen Finger von mir weg gezogen. In dem Moment ist mir das nicht aufgefallen, da hatte ich echt andere Sorgen, aber ich habe dir zum Beispiel nie gesagt, dass ich verheiratet bin und es auch nirgends in meinen sozialen Profilen erwähnt, trotzdem hast du nach meinem Mann gefragt. Da wusste ich schon dass du Dinge gehört und gesehen haben musst, die eigentlich keiner hören und sehen kann. Naja und spätestens als du mich gepackt hast, naja bitte nicht falsch verstehen, ich liebe meinen Körper, aber mein Mann kann mich nicht so anheben und der ist echt stark.”

Wow das war ja schon einiges. Sie ging also ziemlich locker mit der Tatsache um, dass ich ein Vampir war. Sie hatte offensichtlich nicht panikartig das Penthouse verlassen, als sie wieder zu Sinnen kam. Sehr interessant.

“Also gut,” sagte ich, “ich habe mich also offensichtlich verraten oder du bist einfach aufmerksamer als die meisten Menschen. Aber erklär mir das mit deinem Mann, weiß er dass du bei einem anderen Mann übernachtet hast? Läuft es bei euch nicht mehr? Oder warum bist du auf meine Avancen eingegangen?”

“Das verbiete ich mir” antwortete sie scherzhaft.” zwischen meinem Mann und mir läuft alles wunderbar und zwar seit dem ersten Tag. Nur ist dieser Tag schon sehr lange her. Und er war der erste und einzige Mann für mich in all den Jahren, da darf man sich schon mal ein bisschen langweilen und Abwechslung wünschen. Und wenn man Glück hat, hat man einen Mann mit großem Selbstvertrauen und viel Empathie. Er wusste immer, dass mal der Tag kommt wo ich mir wünschte ich hätte mehr Erfahrungen gemacht bevor ich sesshaft wurde und er gesteht mir diese Freiheit einfach zu. Solange ich vorsichtig bin. “

“Soso ich bin also nur eine Abwechslung für dich, das kränkt mich jetzt aber ein bisschen 😉 Das heißt dann wohl du gehst nachher nach Hause und mit den Wunden an deinem Hals wird auch die Erinnerung an mich verblassen, bis der nächste sexy Vampir vorbei kommt.” neckte ich sie.

“Wer sagt dass du sexy bist, hast du überhaupt ein Spiegelbild?” 

“Hey!” sagte ich mit gespielter Empörung, schnappte sie und zog sie auf meinen Schoß.

“Und wer sagt, dass ich jetzt schon nach Hause gehe.” flüsterte sie mir ins Ohr. Sie schob ihren Slip herunter und deutete mir ihre Wünsche an. Offensichtlich hatte sie noch nicht genug Abwechslung bekommen. Ich setzte sie auf den Stuhl, ging vor ihr auf die Knie und küsste die Innenseite ihrer Oberschenkel langsam aufwärts.

“Aber nicht wieder beißen.” sagte sie mit einem verschmitzten Lächeln im Gesicht. 
“Keine Sorge, Lizzy, ich bin ganz zahm.” Sehen konnte uns hier oben keiner, aber die Gesichter der Nachbarn hätte ich gerne gesehen als sie ihr lustvolles Stöhnen hörten. Und auch ich kam nicht zu kurz. Nach einem, wie ich hoffe gigantischen Höhepunkt, zog sie mich auf die Liege und setzte sich auf mich. Mit ihrem Blut immer noch in meinem Kreislauf, war es als würde mein Herz mit ihrem im Gleichtakt schlagen. Obwohl ich letzte Nacht von ihr getrunken habe, hatte ich es nicht gewagt in ihre Gedanken einzudringen. Ich genoss es einfach zu sehr, sie zu erforschen. Sie war gleichzeitig ein offenes Buch und ein Rätsel. Eine Frau, die von einem Vampir begehrt wird und sein Begehren erwidert, aber auch eine glückliche Ehefrau. Eine Frau die vor Selbstbewusstsein nur so strotzte. So etwas habe ich bis heute nicht kennengelernt. 

Ich konnte es nicht fassen, während wir miteinander verschmolzen, war es mir plötzlich klar geworden. Ich war verliebt in sie. Verliebt in einen Menschen. Sie hatte mir völlig den Kopf verdreht. 


Ich war also verliebt. In meiner ganzen Zeit seit ich Vampir wurde, war mir das nie passiert. Ich kannte keine Liebe, außer der zu meiner Familie aus meinem menschlichen Leben. 

Die letzten 700 Jahre kannte ich nur die Leidenschaft und lebte sie zu gerne aus, aber bei ihr war es Liebe. Ich wollte, dass sie mir gehört mir alleine. Ich wollte sie nicht teilen. 

Ich ertappte mich bereits bei dem Gedanken ihren Mann auszusaugen. Oh ja das wird sie direkt in meine Arme führen. Töte den Mann, den sie ihr ganzes Leben geliebt hat. Sei nicht töricht Michael. Du musst sie einfach von dir überzeugen. Du warst doch ganz offensichtlich die bessere Partie für sie. Das musste sie nur erst feststellen. 

Das es mir nicht an Geld mangelt hatte sie ja bereits festgestellt. Also muss ich ihr noch mehr meine Eignung beweisen. Vielleicht sollte ich sie einfach zu meinesgleichen machen? Ich konnte ja schlecht wieder zu einem Menschen werden. All die Banalitäten des menschlichen Lebens waren mir schon lange fremd geworden. 

Und ich wollte ihr ja auch nix vor machen. Wenn sie sich in mich verliebte dann um meiner selbst Willen, sonst könnte ich nicht die Ewigkeit mit ihr verbringen.

Aber wie sollten wir uns richtig kennenlernen wenn wir gleich so übereinander herfallen. Ich musste mich also tatsächlich in der Öffentlichkeit mit ihr treffen.

Also beschloss ich Mal in den Laden zu gehen wo sie arbeitet. Vielleicht kauf ich mir ja einfach so eine E-Zigarette, atmen tat ich ja noch und schmecken auch. Das wäre sogar eine ganz interessante Erfahrung um meine Sinne zu erfreuen.

Ja das würde ich tun, das wäre eine gute Gelegenheit.

Das Wochenende war vorbei und Lizzy war Sonntagabend nach Hause gefahren. Also beschloss ich am Montag erstmal mittags in den Laden zu schauen.

Als ich den Laden betrat herrschte gerade Ruhe. Die Mittagszeit war immer Recht ruhig, das war mir schon aufgefallen als ich sie beobachtet hatte. So hätten wir Zeit ein bisschen zu plaudern.

Während ich lächelte verfinsterte sich ihre Miene deutlich als ich eintrat. Sie begrüßte mich professionell und als würde sie mich gar nicht kennen. Nun war ich verwirrt. Wusste nicht wie ich reagieren sollte. Sie entschuldigte sich kurz und verschwand Richtung Toilette, auf dem Weg warf sie mir einen Blick zu der mir deutete ihr zu folgen. Also fragte ich auch einen der anderen Mitarbeiter nach der Toilette und folgte ihr. Sie schaute zurück ob uns jemand sah und zog mich stattdessen in einen Nebenraum und schloss die Tür.

“Was willst du hier?” zischte sie mich wütend an.

Ich war vollends verwirrt.

“Ähm ich hatte mir jedenfalls eine andere Begrüßung erwartet. Und ich dachte ich probier diese E-Zigaretten Mal aus. Ich dachte mir die schmecken gut und da ich ja nicht esse und Krebs kann ich ja sowieso keinen mehr kriegen.”

Mehr hab ich nicht gebraucht. Sie hielt mir erst Mal einen flammenden Vortrag über das Dampfen und dass es nicht krebserregend ist und 95% weniger schädlich als Rauchen und kam richtig in Fahrt. Da war also die Leidenschaft. Aber das folgende traf mich.

“Wenn du das ausprobieren willst meinetwegen, aber es gibt genug Vapeshops in der Stadt. Such dir einen anderen. Ich will dich nicht an meinem Arbeitsplatz sehen. Herrgott mein Mann arbeitet doch auch hier. Das hättest du wissen müssen. Du bist doch sonst so ein Stalker. “

Dann schaute sie durch die Tür zum Verkaufsraum, “warte hier, ich lenk meinen Kollegen ab, dann kommst du raus, er soll nicht sehen dass wir hier drinnen waren.”

“Moment Moment warte doch, ich dachte das alles wäre mit deinem Mann geklärt, warum willst du mich hier nicht haben?”

“Weil es eine Sache ist etwas zu wissen und eine andere es zu sehen. Verstehst du das nicht? Außerdem entscheide ich wann ich dich sehen will, nicht umgekehrt.”

Wow das hatte gesessen, also tat ich was sie mir gesagt hatte und verließ wenig später den Laden. Ich war für sie also wirklich nur Mittel zum Zweck. Hatte sie überhaupt Interesse an mir als Person oder war ich nur ein lebensgroßes Sextoy?

War ich wirklich ein Stalker geworden. Die Frage stellte ich mir als ich abends wieder vor ihrem Haus campte. Als sie nach Hause kam erwähnte sie mich mit keinem Wort bei ihrem Mann. Wusste er wirklich von unserem Abenteuer? Ich hörte zu, hörte wie sie miteinander schliefen und es machte mich rasend vor Eifersucht. Ich musste ihn loswerden wenn ich sie wollte, aber ohne dass sie wüsste dass ich es war. Aussaugen war also vom Tisch. Selbst wenn ich einen anderen Vampir in mein Revier beorderte um das zu übernehmen würde sie es wissen.

Was könnte ich also tun? Und was ist überhaupt los mit mir? Und was geschieht da gerade? Es war bereits stockdunkel und sie kam gerade auf den Balkon und hatte ihr Handy in der Hand. Plötzlich bekam ich eine Nachricht.

“Tut mir leid, dass ich so schroff war, ich erkläre dir das wenn wir uns sehen, sag wenn du Zeit hast.” schrieb sie mir.

Und ich war ihr schon wieder verfallen. Sie sollte aber nicht mitbekommen dass ich sie gerade beobachtet hatte und Mordpläne gegen ihren Mann schmiedete.

Also schrieb ich ihr nur. “Ich habe Zeit soll ich dich abholen?”

“Nicht heute, morgen Abend?”

“Okay ich hol dich um 6h ab.”

Und dann ging sie wieder rein und legte sich zu ihrem Mann ins Bett.
Zumindest Schuldgefühle hatte sie ihm gegenüber anscheinend nicht. Vielleicht sind die Gefühle ja doch schon eingeschlafen und ich hatte noch eine Möglichkeit.


Ich holte sie wie vereinbart ab und wir fuhren wieder zu meinem Penthouse.

Sie war auffallend schweigsam.

Am Penthouse angekommen, legte sie ihre Sachen ab und ließ sich auf die Couch fallen.

“Also,” seufzte sie auf, “offensichtlich müssen wir miteinander reden. Ich habe ein ungutes Gefühl, dass mit dir weiterzuführen. Ich dachte eigentlich ich hätte klar gemacht, dass es nur um Sex geht.”

Ouch.

“Okay, ich gebe zu ich hätte vielleicht nicht unangemeldet an deinem Arbeitsplatz auftauchen sollen, aber deine Reaktion war auch überzogen, findest du nicht?”

“Ganz ehrlich, nein. Hättest du mich vorgewarnt dann vielleicht, aber das hast du ja nicht. Und ich habe den Eindruck du machst einfach nur alles um bei mir zu landen. Anstatt dich mit dem zufrieden zu geben was ich zu geben bereit bin. Die meisten Männer träumen von so etwas. Als mir klar wurde dass du ein Vampir bist und dein kompletter Kücheninhalt offensichtlich auf eine Aussage von mir zugeschnitten war, hätte ich wohl hellhörig werden müssen.”

Sie hatte recht. Ich hatte mir eigentlich direkt zu viel Mühe gegeben. Ich hätte es eher merken müssen.

“Okay du hast recht. Ich habe mich ziemlich unerwartet in dich verliebt und natürlich würde ich gerne alles tun damit du es auch fühlst. Ich kann dir Unsterblichkeit bieten, wer kann dir das schon anbieten.”

“Ja schön aber ich will gar keine Unsterblichkeit und wenn du dich änderst nur um mich in dich verliebt zu machen, dann würdest du wohl kaum glücklich mit mir. “

Und wieder hatte sie recht. Vor allem den Veganer machen wenn sie als Vampir sowieso nicht mehr essen würde. Das war wohl keine Basis und auch sonst hatten wir nichts gemeinsam.

Aber sie war so unglaublich und ich wollte sie einfach immer an meiner Seite wissen.

“Okay, vielleicht hab ich mich da in was verrannt weil du einfach anders bist als alle Frauen die ich zuvor getroffen habe. Aber wir könnten natürlich weiterhin unseren Spaß haben wenn du noch willst?”

“Hmm, ” sie schmunzelte und zog eine Packung Eisenkapseln aus ihrer Tasche. “Diesmal bin ich besser vorbereitet. “

Hatte sie mir gerade die Erlaubnis gegeben von ihr zu trinken? Könnte mich ein Mensch noch mehr überraschen. Ich würde die Gelegenheit nutzen. Diesmal würde ich ihre Gedanken erforschen. Doch erstmal kommt der Spaß.

“Hast du es schon Mal in einem Whirlpool getan?”

“Nein, aber ich würde es gerne ausprobieren ;)”

Mehr brauchte ich nicht wissen, ich packte sie und trug sie Richtung Badezimmer und da ich ihr ja nichts mehr vormachen konnte hab ich uns in vampirischer Schnelligkeit sie Kleider vom Leib gerissen und sie in den Whirlpool gesetzt. Die Düsen auf voller Kraft und dann ging es zur Sache. 

Und am Ende färbte sich das Wasser in einem hellen rosa als ich meine Zähne in ihren Busen vergrub und lauschte ihren Gedanken. Sie wollte frei sein. Frei von allen Verpflichtungen auch ihrem Mann gegenüber, aber sie konnte ihn nicht verlassen, sie wollte ihn nicht verletzen. Deshalb würde sie immer bei ihm bleiben und deshalb hatte sie dieses Arrangement mit ihm also. Sie würde mir also niemals gehören. Sie gehörte nur sich selbst.

Plötzlich hatte ich verstanden was mich an ihr so anzog. Ich konnte sie nicht haben.

In jener Nacht trank ich zum letzten Mal von ihr. Doch die Leidenschaft blieb. Wir hatten noch viele Jahre eine leidenschaftliche Affäre und es entwickelte sich auch über den Sex hinaus zu einer innigen Freundschaft. Ich war Teil ihres Lebens. Ich blieb ihr Freund und Schutzengel. Als ihr Mann eines Tages unerwartet starb nahm ich sie schließlich bei mir auf. Ich bot ihr abermals die Unsterblichkeit an. Und nun war sie bereit, sie wollte die ultimative Freiheit erfahren und wurde zu meinesgleichen.

Als ich sie fragte was sich geändert hatte, sagte sie nur:” es geht nicht darum was sich geändert hat sondern was nicht. Ich hatte nun genug Zeit den echten Michael kennen zu lernen und bin gerne mit dir zusammen. Ich werde vielleicht nicht die Ewigkeit mit dir verbringen, aber vielleicht ein paar hundert Jahre Mal sehen.”

Und sie hatte Recht. Ich hatte die Ewigkeit und war bereit sie aufzugeben. Dadurch gewann ich über die Zeit doch noch ihr Herz und wir sind nach wie vor gemeinsam unterwegs.

Aber ihre Freiheit genießt sie immer noch in vollen Zügen. Und auch ich habe gelernt, dass man in der Ewigkeit mit der Monogamie nicht glücklich wird. Trotzdem sind die Nächte mit ihr immer noch die intensivsten Erfahrungen. Wer weiß ob das jemals jemand toppen kann?

Ende

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