Über Depressionen

Gestern Nacht haben wir noch das Staffelfinale von Vampire Diaries Staffel 3 gesehen und ich habe geheult wie noch was. Und dabei ist mir ein positiver Gedanke gekommen. Als ich noch unter Depressionen litt konnte ich das gar nicht. Und deshalb dachte ich mir, ich schreibe es mal auf um es nicht zu vergessen und anderen da draußen zu helfen.

Depressionen – Die Diagnose

Die Diagnose Depressionen bekam ich das erste Mal mit 18, aber natürlich litt ich schon deutlich länger darunter, ehe es auch medizinisch festgestellt wurde.

Ich glaube angefangen hat es schon als ich 12 war. Ich hatte immer den Eindruck, dass mir kalt ist. Nicht physisch sondern emotional habe ich immer gefroren. Habe mich nach Geborgenheit gesehnt, aber nicht fühlen und auch gar nicht zulassen können.

Die Schule war von Anfang an schwierig für mich, ich hatte Probleme Anschluss zu finden. Trotzdem hat sie mich eine Zeitlang noch über Wasser gehalten. Auch wenn meine Noten von Jahr zu Jahr schlechter wurden, hatte ich zumindest noch einen kleinen Kreis an Kameraden, die mir ein Wir-Gefühl vermittelten.

Doch der Schein trügt, wie so oft, nicht nur in der Schule sondern auch im echten Leben. In der Schule spürte ich den Schnitt das erste Mal mit 17. Meine schlechten Noten forderten ihren Tribut und ich musste eine Klasse wiederholen.

Trigger

Ich wurde also aus meinem gewohnten Umfeld heraus gerissen und der Versuch, sowohl Kontakt zu meinen alten Kameraden zu halten und der Versuch Kontakt mit den neuen Mitschülern zu schließen schlug fehl. Dadurch begann ich zu vereinsamen und trat ohne es bewusst zu merken einer sektenartigen Kirchengemeinschaft bei. Ich suchte nach einem Sinn, aber die Depressionen hatten mich fest im Griff und der Sinn wurde mir nicht gewährt.

Also brach ich die Schule ab und versuchte es mit einer Lehrstelle. Dies klappte gerade mal bis zum ersten Tag in der Berufsschule. Ich war 18 und musste mir wieder hinterrücks die gehässigen Sprüche von 15 Jährigen anhören. Dinge, die mich nicht hätten berühren sollen aber es taten, also ergriff ich die Flucht und verbrachte ein Jahr mit sinnlosen AMS Kursen bis es wieder Zeit war eine neue Lehrstelle anzutreten. Die Leute bei denen ich mich vorstellte waren sehr nett, aber die Leute mit denen ich dann tatsächlich arbeiten musste, waren es leider nicht. So scheiterte ich erneut und zog mich zurück.

Einige weitere AMS Maßnahmen waren notwendig bis schließlich der Gang zum Psychiater folgte, den ich hielt mich für unfähig mich dieser Gesellschaft anzupassen, meinen Platz zu finden. Das dies alles den Depressionen geschuldet war, wusste ich damals nicht.

Es hat noch Jahre gedauert, bis ich mich das erste Mal teilweise von den Depressionen lösen konnte, doch blieben sie im Verborgenen erhalten und der erste Rückschlag ließ mich direkt wieder in alte Muster verfallen. Es brauchte wieder Jahre mit Antidepressiva und Kämpfe mit meinen Phobien ehe ich mich endgültig befreien konnte.

Überwindung

Es war unter anderem das Dampfen, dass mir geholfen hat. In mehrerlei Hinsicht. Nicht nur dass ich natürlich meinem Körper etwas gutes getan habe durch die Abkehr von Tabakzigaretten (Gesunder Geist in gesundem Körper und so). Ich habe mich auch mehrfach überwunden Kontakte mit anderen Dampfern zu pflegen. Und eines Tages mit 33 Jahren, habe ich den ultimativen letzten Schritt getan. Ich flog beruflich nach Stuttgart. Obwohl ich Agoraphobie hatte und ich bis dahin nur einmal mit meinem Mann gereist war und auch da tagelang krank war und in 3 Tagen 5 Kilo verlor, weil ich nichts essen konnte.

Doch in Stuttgart habe ich endlich gemerkt, dass ich keine Angst mehr habe. Das mein Leben einen Sinn hat und ich Freude daran habe. Und seither ist es mir eine Freude, wenn ich mit Staffelfinale ansehe und heule. Denn nur ohne Depressionen bin ich in der Lage, die ganze Bandbreite menschlicher Emotionen zu fühlen. Die negativen, aber auch die positiven.

Und solange ich bei einer TV Serie weinen kann, muss ich mir keine Sorgen machen, dass meine Depressionen zurückkehren.

Egal ob ihr jung oder alt seid, wenn ihr das Gefühl habt, nicht rein zu passen und dass das Leben eine sinnlose Aneinanderreihung von Tagen ist, als würde darauf warten, dass endlich was passiert, aber es passiert nie, dann sucht euch Hilfe, denn ihr könntet ebenso an Depressionen leiden. Und es gibt keinen Grund sich zu schämen und ein „ist doch alles nicht so schlimm“ hilft euch nicht. Lasst euch nicht einreden, dass ihr euch nicht so anstellen sollt.

Depressionen sind eine Krankheit und oft auch ein Symptom für eine andere Grunderkrankung. Sie sind keine schlechte Stimmung und auch keine Einbildung. Sie sind echt und ernstzunehmen.