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Wie wir uns selbst definieren

Seit einiger Zeit grassiert im Netz und bei der Meinung der Bevölkerung eine besorgniserregende Welle antidemokratischer Einstellungen.

Menschen sprechen sich gegen das Recht auf Demonstrationen aus, weil es jüngst zu Ausschreitungen kam, beachten dabei aber nicht, dass sie damit nur den Gegnern dieser Demonstration in die Hände spielen.

Hier nutzen also die Gegner das Demonstrationsrecht um es gleichzeitig zu zerstören.

Das wahre Problem ist aber nicht das Recht auf Demonstration und das Recht seine Meinung frei zu äüßern, sondern dass sich immer wieder Menschen so sehr an anderen stören, sich laut eigenen Aussagen provoziert fühlen.

Jedoch Gleichstellung, Hilfestellung und Solidarität sind keine Provokation.
Die Provokation schafft der Provozierte selbst, weil er/sie sein eigenes Selbst falsch definiert.

Wenn Frauen und auch Männer für die Rechte der Frauen, gegen Gewalt, gegen das Patriachart demonstrieren gibt es keinen Grund sich provoziert zu fühlen, es sei denn man definiert sich selbst nur über sein Geschlecht, in dem Fall primär über die eigene Männlichkeit. Sich selbst so zu definieren, kann einen nur unglücklich machen, denn es ist einfach eine völlig unzureichende Definition. Sie ist viel zu variabel und passt sich immer an die Gesellschaft an.

Die alten Griechen hatten zum Beispiel eine ganz andere Definition von Männlichkeit und Weiblichkeit als wir heute.

Also sollten wir uns die Frage stellen. Wer sind wir?

Und um diese Frage zu beantworten muss man auf ein bewährtes Mittel zurück greifen. Eine Frage die Personaler gerne verwenden und auf die viele von uns keine Antwort haben, weshalb wir sie auch als unangenehm empfinden.

Wie würden mich meine Freunde beschreiben?

Versucht mal ein Gedankenspiel, stellt euch vor eure Freunde müssten euch jemandem so beschreiben, dass er euch kennenlernt ohne euch getroffen zu haben.

Wenn jemand zum Beispiel sagt, man hat ihm schon soviel von euch erzählt, er hat das Gefühl euch bereits zu kennen, dann sicher nicht, weil wir sagen, männlich, weiß, Wiener/Österreicher/Europäer/Erdenbürger. Das sind alles nur Attribute für was wir sind, nicht wer wir sind.

Mir fällt es auch schwer dafür die richtigen Worte zu finden. Aber diejenigen, die mich kennen, werden sicher an Worte denken wie witzig, kämpferisch, provokant, sarkastisch, intelligent, unabhängig, schlagfertig, analytisch, lösungsorientiert.

Weiblich, österreichisch und weiß sind sicher nicht die ersten Worte, die irgendjemandem bei mir in den Sinn kommen, obwohl diese Attribute grundsätzlich korrekt sind. Aber es sind eben nur Attribute, es sind Beigaben, aber nicht Hauptmerkmale.

Also wenn ihr euch das nächste Mal provoziert fühlt, dann fragt euch mal warum genau, welches Attribut wurde getroffen? Und ist dieses wirklich so ein wichtiger Bestandteil von euch?

Es gibt ja auch die Bezeichnung “verletzte Männlichkeit”, das verwenden wir gerne, wenn jemand sich provoziert und zurückgesetzt fühlt, weil Frauen etwas erreichen ohne einen Mann zu Hilfe zu nehmen. Besonders häufig ist dies leider oft auf Beziehungsebene anzutreffen. Dabei sollten Männer in Beziehungen froh sein, wenn ihre Frauen unabhängig sind, denn das bedeutet auch, dass sie euch lieben. Will man als Mann wirklich mit einer Frau zusammen sein, die einen braucht? Oder einer die einen will?

Aber auch auf der beruflichen Ebene kommt es vor, vor allem wenn Männer weibliche Vorgesetzte haben. Sie achten gar nicht darauf, welche Qualifikation sie selbst und die vorgesetzte Person haben, sondern sind nur gekränkt, dass eine Frau mehr erreicht hat als sie, dass sie seine Hilfe dafür nicht gebraucht hat.

Das Gefühl gebraucht zu werden ist uns allen wichtig. Wenn es uns genommen wird, werden wir depressiv, so geht es manchen in Beziehungen, vielen wenn sie arbeitslos werden oder Eltern deren Kinder erwachsen werden. Jedoch muss man sich das Gefühl nicht nehmen lassen. Es gibt immer jemand der uns wirklich braucht. Wenn wir uns also nicht gebraucht fühlen, dann definieren wir uns vielleicht einfach falsch und sehen diejenigen, die uns brauchen gar nicht. Wenn uns der Partner nicht braucht, braucht uns vielleicht gerade ein Freund, wenn uns die Arbeit nicht braucht, dann aber eine karitative Einrichtung, wenn uns unsere Kinder nicht mehr brauchen, dann aber noch viele andere in Heimen, die gerne fürsorgliche Eltern hätten oder auch Tiere im Tierschutzhaus, die Zuwendung brauchen.

Also werdet euch bewusst wer ihr seid, dann wird euch auch bewusst wer euch braucht und ihr könnt aufhören euch gegenseitig zu bekämpfen.

Ich weiß wer ich bin und bin für die da, die mich brauchen. Ich kämpfe für die, die nicht kämpfen können.
Und das ist das beste Gefühl.