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Die unsichtbaren Opfer des Shutdowns

Am 16.3.2020 ging ein Raunen durch das Land. Der Shutdown nicht systemkritischer Läden, sowie der Gastronomie kam wie ein Unwetter über uns.

Wie bei einem Unwetter haben wir es einfach ausgesessen, denn die Schäden kann man ohnehin erst danach beziffern.

Michael Niavarani hat es auf den Punkt gebracht:

Wir kaufen wochenlang nur das, was wir wirklich zum Leben brauchen und die Wirtschaft bricht zusammen. Offensichtlich sind auch die größten und gewinnbringendsten Unternehmen nicht auf einen Shutdown vorbereitet gewesen. Wie sonst könnte man sich die Massenkündigungen in börsennotierten Unternehmen erklären.

Natürlich war der Shutdown beinahe überall auf dieser Welt und so bringts auch den größten Unternehmen keinen Vorteil, Standorte in allen Ländern der Welt zu haben.

Und es wurde viel berichtet über die sichtbaren Opfer des Shutdowns, kleine und große Betriebe, die entweder komplett schließen mussten oder ihre Mitarbeiter zumindest für die Zeit des Shutdowns auf die Straße setzen mussten. Denn die viel gelobten Hilfen kamen und kommen erst jetzt nach und nach an.

An die Arbeitslosen denkt man überhaupt erst jetzt und gibt ihnen im September einmal 450€. Der blanke Hohn, aber die Leute werden es natürlich trotzdem nehmen, denn ein Almosen ist besser als gar nichts.

Neulich ging mein Mann zum Zahnarzt. Unser Zahnarzt ist uns über die Jahre quasi ans Herz gewachsen. Man kennt die ganze Belegschaft und es ging im finanziell immer sehr gut, denn wir waren wohl nicht die einzigen die ihn regelmäßig weiterempfohlen haben.

Doch nun nachdem er überhaupt wieder einen halbwegs normalen Praxisbetrieb anbieten kann, bleiben nach wie vor die Patienten aus und er weiß selbst nicht wie er die Urlaubsgelder seiner Mitarbeiter noch bezahlen soll.

Doch warum bleiben die Patienten aus? Sollte man nicht meinen nach bereits 3 Monaten seit dem Shutdown ist bei vielen eine Kontrolle, Mundhygiene oder sogar notwendige Korrektur überfällig.

Nun das ist sie ganz sicher, aber die Panik die verbreitet wurde, spürt man als erstes bei den wichtigsten Dingen. Vorsorge ist das wichtigste, sei es beim Zahnarzt, Gynäkologen oder Hautarzt.

Viele Krankheiten können durch Früherkennung deutlich leichter und beschwerdefreier behandelt werden. Aber die Patienten haben mehr Angst vor einer Coronainfektion als vor Karies, Hautkrebs oder anderen vermeidbaren Krankheiten.

Dabei ist die Wahrscheinlichkeit in einer Zahnarztpraxis in der alle Angestellten mit Mundschutz und Visier ausgestattet sind praktisch Null sich überhaupt mit irgendwas anzustecken, niemand geht mit Halsweh zum Zahnarzt.

Die Gefahr ist sicher bei IKEA größer gewesen und trotzdem standen die Leute tagelang an um sich die neuesten Teelichter ins Klo zu stellen.

Und habt ihr in den Nachrichten und Magazinen auch nur ein Wort darüber gehört wie es den niedergelassenen Ärzten geht? Die bekommen ja auch keinen Pauschalsatz von der Krankenversicherung wenn sie keine Patienten behandeln dürfen. Und eine Arztpraxis hat hohe Kosten, die monatlich anfallen. Oft ist das Equipment nur gemietet oder teuer mit Krediten eingekauft worden. Zusätzlich musste man Schutzausrüstung kaufen und konnte nicht mal anderweitig Geld verdienen, weil man die Praxen offiziell nicht mal schließen durfte, da man für Notfälle bereit stehen musste. Denn ins Krankenhaus konnte man ohnehin nicht.

All die Leute, die meinen der Shutdown wäre eine notwendige Unannehmlichkeit, denken doch dabei gar nicht daran, dass sogar kritische Komponenten unter den Einschränkungen gelitten haben.

Und wenn man dann in einer Stadt wie Wien, wo jede Arztpraxis mehr Patienten in der Kartei hat, als sie in einem Monat überhaupt behandeln könnten, einige Praxen durch Konkurs verliert, dann wird man schnell merken welche Auswirkungen das wirklich hat.

Bald werden sich die Wartezeiten bei Fachärzten verzehnfachen.

Denn der Shutdown hat auch unter den Patienten Opfer. Viele chronisch Kranke konnten bzw. durften nicht behandelt werden. Alles was nicht tödlich ist, kann ja schließlich aufgeschoben werden. Welche Auswirkungen das hat, dass sehen wir eben erst wenn das „Unwetter“ vorbei ist.

Ich, zum Beispiel, konnte nicht zum EMS Training gehen. Ich geh da aber nicht zum Spaß, sondern weil ich chronische Rückenschmerzen habe. Nach mehr als 2 Monaten ohne Training war ich bereits so kaputt, dass mein Becken im 45 ° Winkel nach links stand. Ich hatte Schmerzen bei jedem Schritt, aber ich konnte nichts machen. Ein Notfallstermin beim Arzt hätte ja auch nichts gebracht, nur regelmäßiges EMS Training hilft um meine Muskeln aufzubauen und meine Faszien zu entlasten. Seit 3 Wochen darf ich endlich wieder trainieren. Seit 3 Wochen bin ich endlich wieder schmerzfrei. Doch stellt euch vor mein Studio hätte den Shutdown nicht überlebt.

Dann hätte nicht nur ich einen Platz in einem anderen Studio finden müssen, sondern alle Kunden dort und wer weiß wie schnell ich einen gefunden hätte.

Bei Ärzten ist es nicht anders. Schließt eine Praxis muss man erstmal eine neue finden, die noch Patienten annimmt.

Es gibt viele therapeutisch wichtige Berufe, die ohne Körperkontakt nicht auskommen und die nicht arbeiten durften. An die Patienten dachte dabei auch keiner.

Was wenn wir in einem Jahr feststellen, dass mehr Leute an den Folgen des Shutdowns gestorben sind als an Corona gestorben wären? War es dann immer noch notwendig? Gehen wir von 4000 Toten aus wie es in Schweden ist. Wieviele Kollateralschäden wird Österreich am Ende produziert haben?

Wie viele Menschen sind im Altersheim alleine gestorben, vielleicht sogar an der Einsamkeit, denn im Alter hält man diese nicht mehr so gut aus. Auch psychische Belastungen haben körperliche Auswirkungen, wird man diese Menschen jemals überhaupt erfassen?

Warum wurden und werden Angehörige nicht zu ihren Liebsten gelassen, wenn diese bereits im Sterben liegen? Welches Risiko ist da noch gegeben?

Was ist mit all den Demenzkranken?

Ich könnte euch noch so viele Beispiele nennen.

Die Wirtschaft mag empfindlich sein. Aber sie ist noch unser geringstes Problem. Unsere Regierung hat viel größere Probleme geschaffen. Aber das werden sie niemals zu geben. Man wird immer nur hören, dass es notwendig gewesen wäre und irgendwann wird man gar nichts mehr hören.

Und wo sind da die Medien? Die Sender, die meinen einen so wichtigen Informationsauftag zu erfüllen, aber tatsächlich jetzt wirklich alle schön Regierungskonform berichten, anstatt sich auf Fakten zu stützen?

Ich bin ein Fan vom Abstand halten und auch die Maskenpflicht wo kein Abstand möglich ist , halte ich für sinnvoll, wenn auch unangenehm und schlecht umgesetzt ( wo Abstand möglich ist, halte ich sie für einen bürokratischen Nonsens).

Wir werden uns auch in Zukunft ohnehin da mit Viren anstecken, wo wir es auch vorher getan haben, im privaten Raum bei Familie und Freunden, in Schulen und Kindergärten, also genau da wo all diese Maßnahmen nicht greifen.

Also hört endlich auf Panik vor einer 2. Welle zu machen und habt lieber Panik vor der Politik, denn sie handelte noch nie im besten Interesse der Bürgerinnen und Bürger.